Copy to Clipboard. Add italics as necessaryZitiervorgabe: Sarah Horn, »Testo-Transitionen differenzieren – trans* Geschlechtlichkeit und Rassifizierungen«, in Sarah Horn, trans* Werden. Queere Zeitlichkeiten und Transitionen in Videoblogs, Cultural Inquiry, 38 (Berlin: ICI Berlin Press, 2025), S. 117–88 <https://doi.org/10.37050/ci-38_2>

2. Testo-Transitionen differenzieren – trans* Geschlechtlichkeit und Rassifizierungen

Gebe ich ›ftm‹, ›transition‹ oder ähnliche Begriffe in das Suchfeld auf YouTube ein, werden mir als Ergebnis die Videos weißer Vlogger angezeigt und auch die Verlinkungen weiterer Videos über die Autoplay-Funktion oder die Anzeige möglicher nächster Videos am rechten Bildrand beziehen ausschließlich weiße Vlogger ein.1 Als Teil einer hegemonial weißen Medienkultur produziert auch YouTube die Repräsentation weißer Menschen als unkommentierte, unmarkierte und darüber universalisierte Sichtbarkeit und wirkt folglich an der Stabilisierung dieser rassistischen Hierarchie mit.2 Die in der Suche nach den trans* Vlogs gemachte Beobachtung könnte damit lediglich als ein weiteres Beispiel für die rassistischen und diskriminierenden Effekte von Algorithmen und digitalbasierten Such- und Darstellungsfunktionen im Allgemeinen dienen.3 Konkret auf den Gegenstand der trans* Vlogs bezogen lässt sich anhand dieser Feststellung jedoch die bereits erläuterte Kritik am Transitionsnarrativ auf eine weitere Art problematisieren: Die gängige Beschreibung der trans* Vlogs als einem Prozess souveräner Selbstgestaltung blendet aus, dass nicht nur Geschlecht, sondern auch Race, und damit eben auch Weißsein (whiteness), andauernd performativ hergestellt wird.4 Mit Blick auf das bisher analysierte Verhältnis von Vlog, Testosteron und dokumentarischer Praktik gilt es also, das Subjekt und dessen vermeintliche Souveränität in diesen Anordnungen feiner justiert zu analysieren. Im Folgenden berücksichtige ich deshalb explizit die gegenseitigen Durchdringungen von Gender und Race, um die in den Praktiken des Vloggens und der Testosteronbehandlung sich entfaltenden Zeitlichkeiten und die damit zusammenhängenden Begehren und Wünsche, aber auch Sorgen und Ängste, differenzierter beschreiben zu können. Zeitlichkeiten im Plural verstehe ich dabei nicht als bestimmbare Größen, die sich aus einer empirisch belegbaren Anzahl kategorialer und additiver Überkreuzungen von Geschlecht, Race, Klasse und Sexualität ableiten ließen. Stattdessen lege ich ein Verständnis von Intersektionalität zugrunde, das die permanente und konstitutive Durchdringung dieser Differenzen artikuliert.

Der Einsatz einer solchen von gegenseitiger Durchdringung geprägten Differenzierung und damit eine Problematisierung und Politisierung von differenziellen Ausschlüssen lässt sich ganz konkret an bzw. in Abgrenzung zu einer YouTube-Suche verdeutlichen: Erst wenn ich ›black‹ zu den Suchbegriffen hinzufüge, bekomme ich Videos von Schwarzen trans* Vloggern als Ergebnis präsentiert.5 Die URL der Seite mit den Suchergebnissen endet dabei auf »search_query=ftm+transition+black«.6 Entsprechend der üblichen Funktionsweise von Suchmaschinen signalisieren die Additionszeichen eine Durchforstung der Datenbanken nach Datensätzen, die alle und nicht nur einzelne der eingegebenen Begriffe beinhalten. Sprachlich handelt es sich damit um ein additives Verständnis identitätspolitischer Positionen. Im Gegensatz dazu schließe ich in dieser Arbeit an machtkritische Analyseperspektiven an, die soziale Positionalitäten in ihrer Komplexität berücksichtigen kann.

Bereits in den 1980er Jahren formulieren Schwarze feministische Theoretiker_innen Einwände gegen das Kollektivsubjekt Frau, das in seinem universalistischen Anspruch lediglich einen weißen Mittelstandsfeminismus repräsentiere und darin die Anliegen Schwarzer Frauen oder Frauen of Color und damit tendenziell auch finanziell prekärer lebenden Frauen nicht berücksichtigen könne.7 Das in diesem Kontext entwickelte Konzept der Intersektionalität birgt jedoch das Risiko, wiederum stabile Differenzkategorien hervorzubringen, wenn es verwendet wird, um Marginalisierungen entlang von verschiedenen Machtachsen zu denken, die sich lediglich überkreuzen. Für queerfeministische Perspektiven sind Schwarze feministische Theorien insofern bedeutsam, als Queer Theory den Anspruch hat, gerade nicht durch Addieren machtvoller Differenzen entlang einzelner Ordnungs- und Wissenskategorien zählbare Identitäten zu vervielfältigen und diese ihrer Kohärenz und Konsistenz zu versichern. Vielmehr zielt sie darauf, die gegenseitige und gemeinsame Hervorbringung von Differenzierungen anhand von Geschlecht, Race, sexuellem Begehren, dis_ability, Klasse, etc. zu beleuchten.8 Sie muss sich entsprechend daran messen lassen, komplexe Machthierarchien zu adressieren, in denen sich Identitätsmerkmale nicht mehr voneinander trennen lassen.

Statt die Logik der Addition von Suchbegriffen, nach der die YouTube-Suche unter anderem funktioniert, und damit die Überlagerung vielfältiger, aber letztlich stabiler und voneinander trennbarer (Einzel-)Identifizierungen auch als Prämisse für die Analyse anzunehmen, werde ich die Bedeutung dieser permanent in Durchdringung sich vollziehenden Hierarchisierungen für eine differenziertere Beschreibung der medialen Praktiken des trans* Vloggens produktiv machen. Gender und Race sind demnach Wissenskategorien, die in ihren Wirkungen und ihrer Produktivität nicht unabhängig voneinander analysiert werden können. Damit schließe ich an Überlegungen des Schwarzen Feminismus, der Critical Race sowie der Black Queer Studies an, wonach schon die Herstellung und Tradierung eines Wissens um Geschlecht und Sexualität von rassistischen Vorannahmen geprägt ist, sodass Diskurse um vergeschlechtliche und sexualisierte zugleich als Diskurse rassifizierter Körper fungieren.9 Unter Berücksichtigung dieser Durchdringung lassen sich Selbstverständlichkeiten und vermeintliche Gewissheiten hinterfragen, wie sie auch die Verabreichung von Testosteron für eine geschlechtliche Transition und nicht zuletzt die Hervorbringung des Hormons selbst als biochemisches Präparat, endokrinologisches Wissensobjekt und als populärkulturell zirkulierendes Vorzeichen von Männlichkeit begleiten. Erst vor diesem Hintergrund kann die Funktion von Testosteron als Transitionsmedium und seine Rolle in der medialen Herstellung von rassifiziertem Geschlecht erfasst werden.

Obwohl Testosteron als ein Mittel geschlechtlicher – und eben rassifizierter – Normalisierung eingesetzt wurde und wird, hat die vorliegende Untersuchung der trans* Vlogs auch das queere Potenzial des Hormons bereits erkennen lassen. Im ersten Kapitel habe ich gezeigt, dass die teleologische Beschreibung geschlechtlicher Transitionen entlang therapeutischer Behandlungen, juristischer Routinen und medizinischer Kataloge durchkreuzt wird durch die Ungewissheit der in diesem Gefüge in Erscheinung tretenden Effekte. Die normativen Ideale linearer Zeitlichkeit und einer stringenten Entwicklung von einem stabilen Zustand zu einem anderen sind nicht aufrecht zu erhalten. Stattdessen prägen Rekursionen, Unterbrechungen und Aufschübe die Testosteronbehandlung sowie das Vloggen und bestimmen ein queeres Verständnis von Transition. Es gilt jedoch noch genauer hinzuschauen, um mit der Beschreibung der in diesen Schnörkeln und Windungen sich eröffnenden (nicht-linearen; nicht-reproduktiven) Zeitlichkeiten von trans* Geschlechtlichkeit nicht gleichzeitig neue Ausschlüsse zu produzieren. Edelmans queerer Einwand gegen den Imperativ einer heteronormativen »reproduktiven Zukünftigkeit« (reproductive futurism)10 ist berechtigterweise dafür kritisiert worden, dass die von ihm affirmierte Negativität, die No Future-Perspektive nur für diejenigen eine Option darstellt, die zumindest potenziell über eine Zukunft verfügen.11 Angesichts anhaltender physischer und struktureller, oft tödlicher Gewalt gegen afro-amerikanische US-Bürger_innen und außereuropäische Migrant_innen, kann jedoch nicht ignoriert werden, »dass sich rassifizierte Körper unterschiedlich im Kontext von Zeit bewegen und konstituieren«.12

Wie also entstehen trans* Geschlechtlichkeit und Race miteinander und wie verändert eine rassismuskritische Perspektive Konzepte von Männlichkeit? Wie konfiguiert Testosteron diese Konzepte, wenn das Hormon nicht erst mit seinem Gebrauch, sondern schon in seiner Erforschung und Synthetisierung dazu beitrug und -trägt, rassisierte Geschlechterhierarchien zu stabilisieren? Und wie wirkt sich dies wiederum auf das mediale Gefüge, auf die trans* Vlogs und die darin sich entfaltenden Zeitlichkeiten, auf die Analysen von Testosteron als Medium und die Beschreibung des digitalen Mediums YouTube aus?

Trans*sein gleich weiß sein?

Trans*sein und Race werden bisher vor allem ins Verhältnis gesetzt, um die (lebens-)bedrohliche Prekarisierung von Schwarzen und trans* Weiblichkeiten of Color adressieren zu können.13 In sozialen Medien ist es gängige Praxis, die in bedrückender Regelmäßigkeit auftauchenden Namen der durch Hassverbrechen oder Suizid zu Tode gekommenen trans* Personen zu nennen, zu teilen und ihre Leben zu erinnern. Dabei wird der einzelne Todesfall auch zu einer Anzahl der bereits zu beklagenden Toten des laufenden Jahres addiert. C. Riley Snorton sieht in dieser Praxis kapitalistische – und damit rassistische – Logiken der Akkumulation wirken, denen gemäß sich der Wert von Schwarzem (oder) trans* Leben lediglich nach »staatlicher Grammatik des Defizits und der Verschuldung« (states’ grammar of deficit and debt) bemisst.14 Um eine solche nekropolitische Wertlogik zu durchbrechen, schlägt er mit Frantz Fanon vor, diese strukturell prekäre Situation von Schwarzen trans* Personen (emergency) prozessual zu erfassen. Snorton beschreibt sie als »Zeitlichkeiten der Emergenz« (temporalities of emergence),15 da dies Interpretationsweisen oder auch Handlungsmöglichkeiten eröffne, die Zukunft lebbar oder zumindest denkbar machten. Seine Theorie macht das aktivistisch informierte Angebot, die »Bedingungen der Emergenz von Dingen und Seinsweisen zu verstehen, die es vielleicht noch nicht gibt«.16

Snortons Vorschlag einer spezifischen Zeitlichkeit von Schwarzem (und) trans* Leben könnte an dieser Stelle durch seine bio- und nekropolitischen Analysen vertieft werden.17 Ich möchte hier jedoch vielmehr seiner Formulierung des »noch nicht« (not yet) als einem Verweis auf den bereits beschriebenen Entwurf einer utopischen queeren Zukünftigkeit nachgehen, die José Muñoz zufolge »noch nicht ganz da« (not quite here)18 ist. Während Muñoz damit eine Kritik an queerer Theoriebildung formuliert, um das Of-color-Sein in das Verständnis von schwulem Leben einzuarbeiten, nimmt Snorton aus der Perspektive einer Critical Race Theory trans* Geschlechtlichkeit auf, um insbesondere die Prozesse einer rassifizierten Hervorbringung von trans* Körpern und das – sich auch historisch verändernde – Risiko ihrer Sichtbarkeit adressieren und untersuchen zu können. Wenn ich beide Texte von Snorton und von Muñoz hier in Beziehung setze, erlaubt mir dies zu unterstreichen, dass die Frage der Zeitlichkeit von entscheidender Bedeutung für emanzipatorische und machtkritische Interventionen der Queer Theory und auch der Critical Race Theory ist. Beide Bereiche – auch in ihren gegenseitigen Bezügen aufeinander – werden im Folgenden Berücksichtigung finden, wenn es um die Analyse der Vlogs (nicht nur) Schwarzer trans* Männer geht. Transness und Blackness sind hierbei, so meine Überzeugung, jeweils und gemeinsam grundsätzlich aus Perspektive von Zeitlichkeit zu untersuchen. Das bedeutet, die Überdehnung, die Verzerrungen und Auflösungen einer vermeintlich teleologischen Zeitlichkeit von geschlechtlichem Sein und Werden ebenso zu berücksichtigen wie die traumatisierenden Effekte insbesondere des transatlantischen Sklavenhandels, welcher historische wie familiäre Stringenzen und Genealogien kappt.19 Oder wie Frantz Fanon pointiert formuliert: »Das hier erörterte Problem liegt in der Zeitlichkeit.«20

Für die Analyse der trans* Vlogs möchte ich in Anlehnung an die von Snorton vorgeschlagenen ›Bedingungen der Emergenz‹ den Blick auf die Umstände, hier verstanden als die Praktiken, richten, die eine solche Emergenz ermöglichen. Dies beinhaltet, nicht zuletzt auch die medialen Einsätze zu erfassen, als die ich die Vlogs und das Testosteron bisher entwickelt habe. Die Untersuchung von Testosteron im Zusammenhang rassifizierter Vergeschlechtlichung und vergeschlechtlichter Rassifizierung ist vor allem interessant, weil bisher erst wenige Studien oder Beiträge innerhalb der Trans Studies der Betrachtung von trans* Männlichkeiten unter dem Aspekt von Race Aufmerksamkeit geschenkt haben. Wenn dies der Fall war, dann in erster Linie unter repräsentationspolitischer Perspektive, mit der Frage nach Sichtbarkeit von trans* Männern of Color in verschiedenen medialen Öffentlichkeiten.21 Außen vor bleibt bisher, wie auch Weißsein in medialen trans* Praktiken hergestellt wird. Meine Analysen zum Video von gorillashrimp sind ein erster Vorschlag zu Untersuchungen in diese Richtung.

Wenn im Folgenden die mediale Umgebung der Transitions-Videos von Schwarzen trans* Vloggern explizit auf ihre herstellende Funktion im Zusammenhang von Geschlecht und Race untersucht wird, ist ein Nachdenken über die gegenseitige und gemeinsame Herstellung beider Differenzfelder auch anhand von Testosteron als einem Medium der geschlechtlichen Transition notwendig, um seine buchstäblich wie auch metaphorisch subkutane Wirksamkeit präziser analysieren zu können. Die naturalisierte Verknüpfung von Testosteron mit Männlichkeit auf deren rassifizierte Implikationen zu befragen, rückt es als Gegenstand in den Blick, dessen Herstellung und Distribution durch und innerhalb endokrinologischer, pharmazeutischer, ökonomischer, politischer und medialer Diskurse Effekte zeitigt, die weit über seine biochemischen Definitionen und Wirksamkeiten hinausweisen. Testosteron erscheint dann nicht nur als soziales Medium, das es erlaubt, die trans* Vlogs aus queerer Perspektive zu beschreiben. Gleichzeitig wird Testosteron zu einem sozialen Medium, dessen Eigenschaften und Effekte durch die verschiedenen Diskurse auf YouTube und darüber hinaus in permanenten Zirkulationen innerhalb wie zwischen Körpern bewertet, zugeschrieben und produziert werden.

Sozial meint in diesem Zusammenhang u. a., dass der diskursive Einsatz von »Testosterone Rex«22 – Testosteron als königlichem und damit souveränsten, also wirkmächtigsten unter den Hormonen – und die Bewertung seiner materiellen Effekte neben der Versicherung von Männlichkeit sogar der Stabilisierung von staatlichen Grenzen dient.23 Die Strategie besteht darin, nationales Zugehörigkeitsgefühl unter Formierung einer kollektiven weißen Bürger_innenschaft mit staatlicher Kontrolle von Testosteron (-handel wie -konsum) zu verknüpfen. Dies spielt sich gegenwärtig maßgeblich in Debatten zum Schutz sportlicher Wettbewerbe ab, die auf rassifizierte Geschlechterstereotype und normative Sexualitätsideale zurückgreifen und entsprechende Hierarchien wieder einschreiben.24

Wie eng die an Hormonen orientierten geschlechtlichen Normen mit der Herstellung von weißen nationalen Kollektiven verbunden sind, wird insbesondere auch in Diskursen über trans* Weiblichkeiten deutlich.25 In seinen Analysen historischer Berichterstattung über Schwarze trans* und trans* of Color Personen in den USA des 20. Jahrhunderts stellt Snorton heraus, dass Christine Jorgensen als erste weiße trans* Frau in der Öffentlichkeit deswegen respektabel behandelt wird, weil ihre stereotype weiße Weiblichkeit durch die Inanspruchnahme chirurgischer Maßnahmen und hormoneller Behandlungen ein Versprechen von persönlicher Freiheit und wissenschaftlichem Fortschritt verkörpert. Für alle nicht-weißen Personen bleibt die Erfüllung der entsprechenden Ideale jedoch »ein illusorisches Versprechen von Freiheit innerhalb einer Umgebung von struktureller, sprachlicher wie physischer Gewalt unterschiedlichen Ausmaßes«.26 Emily Skidmore erläutert, dass die öffentliche Anerkennung von trans* als Subjektposition gerade dadurch möglich wird, dass Ideale weißer Weiblichkeit (Heterosexualität, Häuslichkeit, Anständigkeit) und damit die (symbolischen) Voraussetzungen der Reproduktion (der Nation) erfüllt werden. Entsprechend plausibel erscheint es, dass ausgerechnet die weiße Sportlerin Caitlyn Jenner 2015 als erste trans* Frau auf dem Cover eines der größten Lifestyle-Magazine posieren durfte und nicht etwa die Schwarze Schauspielerin Laverne Cox, die bereits zwei Jahre zuvor für ihre Rolle in der Netflix-Serie Orange Is the New Black für einen Emmy nominiert wurde und entsprechend prominent war.27 Zudem feierte Jenner vor ihrer Transition olympische Erfolge; die bereits erwähnte Christine Jorgensen wiederum war vor den geschlechtsangleichenden Operationen beim Militär – beides Bereiche maximal ausgestellter Nationalstaatlichkeit, deren Repräsentationsfunktion auf den Erhalt und die Prosperität der Nation ausgerichtet ist.28

Ein Foto von Laverne Cox ziert zwar bereits 2014, also ein Jahr zuvor, das Cover des Time Magazine. Doch obgleich auch der Leitartikel jener Ausgabe unter dem Titel »America’s Transition«29 (Trans)Geschlechtlichkeit rhetorisch an Nation bindet, beschreibt der Cover-Titel die zunehmende Sichtbarkeit von trans* Personen als einen »transgender Kipppunkt« (transgender tipping point). Damit ruft der Titel eine Trendwende aus und suggeriert eine Art Sättigung der Mehrheitsgesellschaft durch Transness.30 Dieses Zuviel wird durch die Wahl von Cox als Cover-Model visuell mit ihrem Schwarzen trans* Körper verknüpft und verstärkt damit implizit das Narrativ, dass akzeptables Trans*sein weiß sei.31 Jian Neo Chen bemerkt dazu:

[w]e can view the magazine cover’s insistence on capturing the full image of Laverne Cox from head to toe, in contrast to Time’s usual close-up cover portraits, as exploiting the overwritten hyper-visibility of Black trans embodiment to mark American civil progress […]32

Gleichzeitig aber erfüllt Cox, wie im Übrigen auch Jenner, optisch nicht nur typisch weibliche Körperideale wie elegantes Make-up, figurbetonte Kleidung, sportliches Aussehen, sondern speziell weiße: Ihr glattes (!) Haar ist lang und blond. Die auf den Magazin-Covern abgebildeten Körper sind damit bezüglich ihres Trans*seins und bei Cox auch ihres Schwarzseins als rassifiziert geschlechtliche sowohl exponiert als auch eingehegt. Die Normierungen vollziehen sich dabei nicht entlang vergeschlechtlichter und rassifizierter Merkmale – der kurze Vergleich der beiden Cover-Bilder und ihrer sprachlichen Rahmungen zeigt, dass die vergeschlechtlichende Ordnung stets und konstitutiv über rassifizierte Implikationen verläuft.

Auch die algorithmisch produzierte erhöhte Sichtbarkeit von weißen trans* Vlogger_innen auf YouTube wirkt indirekt an entsprechenden Normierungen mit, wobei »Weißsein als Bezugspunkt für trans* Subjektivität verstärkt wird« (reinforcing whiteness as a referent for trans subjectivity).33 Deshalb gilt es Trans*sein auf die unkommentierte Voraussetzung des Weißseins zu befragen und sich umgekehrt damit zu befassen, wie Schwarzsein durch vergeschlechtliche Stereotype im trans* Diskurs neu konfiguriert wird. Die Erfahrung rassifizierter Sichtbarkeit unterscheidet sich strukturell, je nachdem, ob man als weiblich oder männlich anerkannt wird. Nachdem ich die Transitionen mit Vlogs und Testosteron bereits als zeitlichen Prozess eines unbestimmten Werdens beschrieben habe, muss dieses geschlechtliche Werden in den Analysen auch als ein rassifiziertes verstanden werden. Aus dieser Differenzierung zeitlicher Vorgänge ergibt sich zwangsläufig die Frage, welche Potenziale dieses Werden in eine unbestimmte Zukunft hinein bereithält oder wo eben die Möglichkeit eines Werdens unter Umständen auch verneint wird. Wenn ich mich also erneut der Frage der Zeitlichkeiten von Vlog und Testosteron widme, dann um ein komplexeres Bild der mit und in den Vlogs dokumentierten sowie hervorgebrachten Machtverhältnisse und Ausschlüsse, aber auch Begehren und Wünsche zu zeichnen und die materiellen wie diskursiven Eigenschaften von Testosteron in seiner Funktion innerhalb der trans* Vlogs, die mit ihm zirkulierenden Bilder, Normen und Ideale bezüglich Geschlecht neu zu befragen.

Aus dieser Perspektive vervielfältigen sich die von und in den trans* Vlogs ermöglichten oder auch verunmöglichten Zeitlichkeiten. In den folgenden Untersuchungen zweier Vlog-Beiträge des Schwarzen Vloggers itsGOTtobegroovy verdeutliche ich, was mit und im Prozess der Transition auf dem Spiel steht, wenn sich die eigene Männlichkeit nicht nur als Einlösung einer lange herbeigesehnten körper-geschlechtlichen Veränderung realisiert, sondern gleichzeitig als Marker einer rassifizierten Bedrohung hervorgebracht wird.

Update-Videos über Rassismuserfahrungen

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Video Week 40 on T: Racism as a Black FTM von itsGOTtobegroovy nicht von den bereits besprochenen Update-Videos anderer trans* Vlogger:34 Im Bild zu sehen ist der Vlogger selbst in einem als privat anzunehmenden Setting, der Bildausschnitt zeigt Kopf und Schultern.35 Er adressiert den Bericht über die Veränderungen, die er in den vergangenen Monaten auf Testosteron an sich selbst beobachtete, an ein Publikum, das ähnliche Erfahrungen gemacht haben könnte. Damit verweist er, wie auch gorillashrimp, implizit auf eine Sorge und Unterstützung bietende online trans* Community, während er sie per Adressierung gleichzeitig performativ herstellt. Gegenseitige Bestärkung und Selbstsorge sind für itsGOTtobegroovy bestimmende Inhalte seiner Vlogs. Diese Verbindung von persönlichen Transitionserfahrungen, Tipps und Hilfestellungen für den Alltag als trans* Person sowie die Bestärkung von Selbstwert und Solidarität konnte ich auch an den Videos von gorillashrimp und Jammidodger nachvollziehen.36 Neben inhaltlichen Ähnlichkeiten ist auch die Betitelung des Videos für ein Transitions-Update konventionell, denn mit der Angabe ›Week 40 on T‹ wird die Zeitspanne seit Beginn der Hormonbehandlung mit Testosteron angegeben und die geschilderten Veränderungen somit im teleologisch imaginierten Zeitverlauf der körperlichen Transition verortet.

Doch über die zeitliche Kennzeichnung hinaus versieht itsGOTtobegroovy die Update-Videos auf seinem YouTube-Kanal jeweils auch mit einem Untertitel. Zumeist verweisen diese auf im Kontext von trans* Erfahrungen erwartbare Themen wie Coming-out, Operationserfahrungen, Anerkennung des Trans*seins in verschiedenen sozialen Situationen wie der Familie und im Arbeitsalltag. Der Vlog-Beitrag zu seinen 40 Wochen auf Testosteron unterscheidet sich aber von den bereits besprochenen der anderen Vlogger durch den Untertitel ›Racism as a Black FTM‹. Während die bisher untersuchten Videos von weißen Vloggern erstellt wurden, ist itsGOTtobegroovy hingegen Schwarz und markiert seine Selbstidentifizierung durch den Untertitel.37 Viele der weißen trans* Vlogger besprechen zumeist sehr ausführlich verschiedene körperliche und emotionale Veränderungen, die sie seit Beginn der Hormonbehandlung oder seit dem letzten Update-Video an sich beobachtet haben. Für itsGOTtobegroovy ist hingegen der erlebte Rassismus eine viel prägendere Erfahrung als die konkreten physischen Effekte von Testosteron. Statt detailreicher Bemerkungen zu Muskelwachstum, zunehmender Körper- und Gesichtsbehaarung, einer tieferen Stimmlage oder auch Veränderungen von Gesichtszügen und Körperform, berichtet itsGOTtobegroovy von mehreren Situationen, in denen er innerhalb der vergangenen Wochen mit anti-Schwarzem Rassismus konfrontiert war. Er äußert sein Erschrecken und auch seine Erschütterung angesichts der Erfahrung, dass rassistische Übergriffe zunehmen, je öfter er nicht mehr als Frau gelesen, sondern als Mann erkannt wird. Die hormonell beeinflusste geschlechtliche Transition ist offenbar eine, die zwar Geschlechterordnungen durchquert, dabei aber die Konfiguration noch weitaus komplexerer Machtverhältnisse verändert. Oder genauer gesagt: Sie führt vor Augen, dass die Geschlechterverhältnisse, in denen sich eine Transition bewegt, nicht ohne konstitutive Verbindung zu Race und darin verankerten Hierarchien beschrieben werden können. Das geschlechtliche Werden ist ebenfalls und stets gleichzeitig auch als ein rassifiziertes zu verstehen und zu beschreiben.

Ausgehend von der Annahme, dass auch Medien und Geschlecht sich gegenseitig hervorbringen, muss somit das mediale Gefüge Testo-Vlog ebenfalls auf vergeschlechtlicht rassifizierte Vorannahmen, Implikationen und Effekte hin befragt werden.38 So liegt es nahe zu überprüfen, inwiefern das bisher in den Vlogs gängige Transitionsnarrativ eines aktiv gestaltenden und nahezu uneingeschränkt souveränen Subjekts ein maßgeblich weißes Narrativ ist. Ebenfalls stellt sich die Frage, wie die endokrinologischen, populärkulturellen und gesellschaftlichen Diskurse um Testosteron rassifizierte Stereotype in das Hormon einschreiben. All diese Überlegungen differenzieren die Perspektive auf Testosteron als einem Medium der Transition, noch dazu einem queeren. Die leitende These dieses Kapitel ist, dass sich hierarchische Verhältnisse eher sedimentieren, als dass sie – wie ich im vorigen Kapitel herausgearbeitet habe – um Potenziale von Selbstermächtigung erweitert werden. Um dies zu überprüfen, möchte ich das Video von itsGOTtobegroovy und seine medialen Besonderheiten genauer in den Blick zu nehmen.

itsGOTtobegroovy thematisiert kaum die konkreten körperlichen Veränderungen in seiner 40. Woche seit Beginn der Hormonbehandlung. Die einzige Beobachtung, die er ausdrücklich kommentiert, bewusst im Bild inszeniert und darüber dokumentiert, ist der Bartwuchs. Die zunehmende Gesichtsbehaarung wird unmittelbar Thema, nachdem er seine Freude darüber geäußert hat, in der Öffentlichkeit zuverlässiger als Mann erkannt und adressiert zu werden. Nahegelegt wird, dass dies mit dem Bartwuchs zusammenhängen könnte, was itsGOTtobegroovy grundsätzlich zufrieden zu stimmen scheint. Wie auch gorillashrimp begleitet itsGOTtobegroovy die verbale Kommentierung seines Bartwuchses mit dem Berühren der entsprechenden Kinn- und Halspartie. Diese Geste wirkt ebenso selbstversichernd wie sie gleichzeitig auf die Unzulänglichkeit der digital-medialen Dokumentationsform hinweist: In vielen Fällen ist die technische Bildauflösung von Digitalkameras und Webcams nicht hoch genug, um die feinen Haare im Bild sichtbar werden zu lassen, sodass die taktile Geste einen Modus stellvertretender Beglaubigung darstellt.39 Zudem ist es auch eine lustvolle und vergnügliche Geste, eben jene Körperpartien zu berühren, deren Veränderungen dazu beitragen, gemäß dem eigenen Geschlecht adressiert zu werden und sich insgesamt wohler zu fühlen. An diesem Genuss lassen viele Vlogger die Zuschauer_innen teilhaben.

Abbildung 1: Screenshots aus Update-Videos von itsGOTtobegroovyitsGOTtobegroovy (links: Week 40 on T: Racism as a Black FTM, 30. Oktober 2010 <>) und gorillashrimpgorillashrimp (rechts: 3.21.15 - 1 Year on Testosterone - FTM
              Transition Update - List of Changes Throughout the Past Year, 22. März 2015 <https://www.youtube.com/watch?v=ThGxWjmVis0>.Abbildung 1: Screenshots aus Update-Videos von itsGOTtobegroovyitsGOTtobegroovy (links: Week 40 on T: Racism as a Black FTM, 30. Oktober 2010 <>) und gorillashrimpgorillashrimp (rechts: 3.21.15 - 1 Year on Testosterone - FTM
              Transition Update - List of Changes Throughout the Past Year, 22. März 2015 <https://www.youtube.com/watch?v=ThGxWjmVis0>.
Abbildung 1: Screenshots aus Update-Videos von itsGOTtobegroovyitsGOTtobegroovy (links: Week 40 on T: Racism as a Black FTM, 30. Oktober 2010 <https://www.youtube.com/watch?v=XUJIsKYyaKY&>) und gorillashrimpgorillashrimp (rechts: 3.21.15 - 1 Year on Testosterone - FTM Transition Update - List of Changes Throughout the Past Year, 22. März 2015 <https://www.youtube.com/watch?v=ThGxWjmVis0>.

Um auch eine bildliche Evidenz für die Ursache dieses Genießens zu erzeugen, bringt itsGOTtobegroovy sein Gesicht und vor allem sein Kinn sehr nah an die Kamera heran, sodass eine möglichst gute Aufnahme der dort wachsenden Haare möglich ist. Die gleiche Geste findet sich exakt so bei gorillashrimp, wird jedoch bildtechnisch anders inszeniert (vgl. Abbildung 1). Während gorillashrimp für diesen Teil des Videos die Lichtquelle von seinem Körper wegdreht, um eine Überbelichtung zu vermeiden, die das Erkennen der Haare auf heller Haut erschweren würde,40 scheint hingegen die Beleuchtung für itsGOTtobegroovys Aufnahme nicht auszureichen: Er murmelt: »Actually, I saw [unverständlich, vermutlich ein Name, sh] do this – once…«, betätigt währenddessen offenbar einen Schalter an seiner Kamera und wechselt in einen Nachtsicht- oder Infrarotbildmodus (vgl. Abbildung 2). Erneut bringt er Mund- und Kinnpartie extrem nah an die Linse heran: »So you can see it here – a little mustache. I’ve been shaving it. But also…«,41 und nun nimmt er die Kamera in die Hand und führt sie unter sein Kinn, während seine Finger über den Bart fahren, »…right here, I got so much of that [Bartwuchs, sh]«.42 Unmittelbar darauf schaltet er die Videoaufzeichnung wieder in den Standard-Bildmodus des gewohnten Lichtspektrums und stellt die Kamera zurück. Nachdem er noch kurz erwähnt, dass er sich bald rasieren wolle, um gepflegter auszusehen, folgt eine visuelle Überblendung und itsGOTtobegroovy wechselt unvermittelt das Thema:

I kinda knew, going into this transition, that, you know, I might notice some differences in how people are reacting to me, experiencing racism differently. […] The past couple of months have just – as I’ve been read more and more as male […] I am getting really angry a lot of the time, over how my interactions with people are going or how I’m treated based on my being a black man or – and being read as a black man. Cause I didn’t experience this pre-transition. Or pre-testosterone, rather.43

Zwar ist für itsGOTtobegroovy der materielle und sichtbare Effekt des Testosterons in Form von Bartwuchs wie für viele trans* Vlogger ein Grund zur Freude, doch hat die damit ermöglichte Sichtbarkeit als Mann in der Öffentlichkeit für ihn eine Kehrseite: Es kommt zu einer Hypervisibilität, die gleichzeitig seine Bewegungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum auf für ihn neue Art verändert und sogar einschränkt. Als männlichem Schwarzen werden ihm in sozialen Interaktionen aggressive Haltungen zugeschrieben und unterstellt. Diese Form der Subjektivierung als angry black man bildet eine Trope in unterschiedlichsten medialen Sichtbarkeitsdispositiven, hängt in diesem Fall aber insbesondere mit den medialen Techniken der Transition – Vlog und Testosteron – zusammen.44

Die Tatsache, dass itsGOTtobegroovy unmittelbar nach der Episode im optisch veränderten Bildmodus auf seine alltäglichen Konfrontationen mit rassistischen Anfeindungen zu sprechen kommt, ist kein Zufall. Vielmehr verweist dies auf die medialen Praktiken und visuellen Archive, die mit diesen Erfahrungen in Zusammenhang stehen und die sein Video beeinflussen. Auch wenn die Episode im Nachtsichtmodus nur 15 Sekunden der insgesamt 8 Minuten Länge einnimmt, ist sie ein zentrales Moment des Videos. Für mich wird sie zum Ausgangspunkt, um die Hervorbringung rassifizierter trans* Geschlechtlichkeit, die diskursiv wie materiell mit Testosteron, Digitalkamera, Internet und sozial-medialer Video-Plattform verwoben sind, zu untersuchen. Wie bereits angedeutet, erfordert sie eine Analyse dessen, was als »Hypervisibilität von Schwarzen« (hypervisibility of blacks)45 die gesellschaftlichen wie medialen Funktionsweisen kolonialer Machttechniken und weißer Vorherrschaft betrifft. Diese lassen sich nicht in eine historisch abgeschlossene Vergangenheit verlagern, sondern es geht darum, die Fortsetzung dieser Dynamiken auch in gegenwärtigen medialen Techniken und Praktiken zu erkennen. Was bedeutet deren Einsatz konkret für die Konfiguration von Zeitlichkeit für einen Schwarzen trans* Vlogger FtM?

Argumentieren werde ich im Folgenden, dass der Modus der durchdringenden dokumentarischen Protokollierung, wie er für (weiße) trans* Personen bereits ausführlich beschrieben wurde, eine Zuspitzung erfährt, insofern die Möglichkeiten alternativer lebbarer Zukünfte, die sich den institutionellen Regulierungs- und Kontrollinstanzen und ihren teleologischen Rahmen entziehen, in besonderer Weise prekär werden. Dies hängt damit zusammen, dass die institutionelle Anerkennung als trans* Person einer paradoxen Situation der (Un)Sichtbarkeit unterliegt. Toby Beauchamp erklärt dies folgendermaßen:

Medical surveillance focuses first on individuals’ legibility as transgender, and then, following medical interventions, on their ability to conceal any trans status or gender deviance. […] Concealing gender deviance is about much more than simply erasing transgender status. It also necessitates altering one’s gender presentation to conform to white, middle class, able-bodied, heterosexual understandings of normative gendering.46

Beauchamps Analysen, die auf eine Veränderung der diskriminierenden Beobachtungsmodi und ihrer rassifizierenden Vorannahmen und Effekte zielen, wären allerdings noch zu erweitern. Es reicht nicht festzustellen, dass sich die Beobachtungssituation während einer Transition insoweit ändert, also wie Beauchamp erklärt, zunächst dafür zu sorgen, dass man als trans* erkannt wird und ab einem ungewissen Moment peinlich genau darauf zu achten, den eigenen Körper und das geschlechtliche Sein als trans* unsichtbar zu machen. Auf diese Weise lassen sich zwar vielleicht geschlechtliche Erwartungen binärer Eindeutigkeit erfüllen, doch zeigen itsGOTtobegroovys Schilderungen, dass rassifizierte Erwartungen hier unmittelbar eingewoben sind: Es ist gerade seine ab einem gewissen Zeitpunkt unbezweifelte Schwarze Männlichkeit, die ihn in besonderer Weise sichtbar werden lässt und ihn mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert. Die sozialen und technischen Modi der institutionalisierten Überwachung der Transition sind somit unter Berücksichtigung von rassifizierten Vergeschlechtlichungen in einen komplexeren Zusammenhang zu stellen.

Im Folgenden beschäftigt mich nicht der von Beauchamp, Snorton und anderen adressierte biopolitisch oder nekropolitisch machtvolle Kontrollgestus, wenngleich dieser bei der Hervorbringung wie auch Verwerfung von Schwarzen trans* und trans* of Color Lebensweisen stets mitläuft.47 In den Vordergrund rücke ich stattdessen die Überlegung, wie eine Vervielfältigung von Zeitlichkeiten, die sich in und mit den Praktiken der Selbstdokumentation in den Vlogs während einer Transition im Gebrauch von Testosteron eröffnen und realisieren, unter der expliziten Berücksichtigung von Race reformuliert werden müssen. Statt einer Analyse der Kontrolle und Lenkung von trans* Körpern und insbesondere eben von Schwarzen bzw. Körpern of Color, geht es mir um eine erneute kritische Befragung der vermeintlichen Option einer Regulierung von Zeitlichkeit.

Zeitlichkeit bezieht sich hier insbesondere auf ein spezifisches Werden, das mit der Hormonbehandlung scheinbar bewusst und kontrolliert begonnen, beschleunigt, verlangsamt, unterbrochen – insgesamt also gesteuert – werden kann. Am Beispiel von gorillashrimps Update-Video konnte ich diese in verschiedenen Diskursen vorherrschenden Gewissheiten bezüglich einer Testosteronbehandlung bereits relativieren und stattdessen ein Potenzial queerer Zeitlichkeiten von trans* Testo-Vlogs feststellen. Nun muss diese Erkenntnis daraufhin geprüft werden, ob und wie ästhetische und technische Verfahren wiederum rassifizierte Zeitlichkeiten ermöglichen oder verschließen, so dass das Potenzial queerer Zeitlichkeiten nicht erneut eine implizite Normalisierung von Weißsein bewirkt. Was ist nötig, damit rassifizierende Einschreibungen in diese Gefüge ebenso beschreibbar werden wie vergeschlechtlichende und sexualisierte?

Die Herausforderung besteht, wie ich bereits betont habe, darin, Geschlecht nicht als Wissenskategorie vorauszusetzen, die gleichsam nachträglich über Kontakt mit weiteren Differenzierungen entlang von Race, Klasse und Sexualität modifiziert wird. Während diese stets schon komplexen Machtverhältnisse sich immer auch in und mit medialen Techniken materialisieren, interessiert mich zugleich, wo diese Techniken und die mit ihnen verbundenen Praktiken auch Potenziale bereithalten, diese Verhältnisse zu verschieben. Wie tragen mediale Techniken dazu bei, das was wahrnehmbar und sozial verständlich ist – und damit den Bereich der Intelligibilitäten – zu verändern? Meine Fragen beziehen sich folglich auf Möglichkeiten von Zukünftigkeit für Schwarze trans* Personen mit und in den Rhythmen, Wiederholungen und Verschiebungen des Testosterons als einem queeren dokumentarischen Medium. Dabei ist dieser Beschreibungsgestus des Testosterons und der trans* Vlogs als queer nicht uneingeschränkt affirmativ zu verstehen. Insofern queere Herangehensweisen immer auch bedeuten, die eigenen Voraussetzungen und Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, können und müssen die ermächtigenden Potenziale dieses Gefüges aus hormonellen und digitalen Medien stets ins Verhältnis gesetzt werden zu deren ebenfalls wirksamen normalisierenden und diskriminierenden Effekten. Für Schwarze trans* Männlichkeiten entstehen aus diesen Ambivalenzen jedenfalls prekärere zeitliche Verhältnisse als für weiße.

itsGOTtobegroovy thematisiert in diesem wie auch in vorangehenden und folgenden Videos ausführlich, dass er im Laufe seiner geschlechtlichen Transition Veränderungen bemerkt an der Art, wie andere ihn im öffentlichen Raum und vor allem in der nächtlichen Dunkelheit beobachten. Seit auch seine Umgebung ihn als männlichen Schwarzen wahrnimmt, habe er den Eindruck, gleichsam kontrolliert oder überwacht zu werden. In Folge beobachtet und überprüft auch er selbst zunehmend seine Bewegungen und sein Verhalten. In dem 2010 hochgeladenen Video Week 40 on T: Racism as a Black FTM schildert er verschiedene Alltagssituationen, in denen er rassistisch diskriminiert wird: Menschen verriegeln ihre Autos, während er vorübergeht; Personen im Park beäugen ihn misstrauisch, wenn er dort im Gespräch mit einer Freundin sitzt; Krankenhauspersonal setzt in der Kommunikation ohne ersichtlichen Anlass voraus, er hätte seine schulische und akademische Laufbahn sicherlich frühzeitig abgebrochen. »It’s really annoying, it’s really frustrating that I am being viewed more and more as – I don’t know… An oddity? A threat? I don’t know48 Das Unverständnis und der Ärger über dieses Verhalten nehmen in diesem Update-Video, entgegen der Erwartung vornehmlich über körperliche Veränderungen informiert zu werden wie es für Update-Videos einer Transition üblich ist, die meiste Zeit ein. itsGOTtobegroovys Alltag während der Transition ist zum Zeitpunkt der 40. Woche mit Testosteron eher indirekt von körperlichen Veränderungen geprägt, nämlich insofern diese einen Zusammenhang zu den rassistischen Anfeindungen herstellen, mit denen er im öffentlichen Raum konfrontiert wird – und das offenbar vermehrt, in jedem Fall aber anders als vor seiner Sichtbarkeit als männlicher Schwarzer oder, wie er selbst sagt, vor Testosteron.49

2015 lädt er ein weiteres Video hoch, in dem er sich unter dem Titel Living with racism in Black FTM transition [CC]50 erneut und unter ausdrücklichem Bezug auf das Video Week 40 on T mit den Erfahrungen rassistischer Diskriminierung auseinandersetzt. Darin stellt er eine Verbindung zur 2013 gegründeten Black Lives Matter-Bewegung her und greift die durch deren Proteste initiierten Interventionen in öffentliche Diskurse auf bzw. setzt sie fort. Eine Episode aus diesem Video möchte ich besonders hervorheben. Nachdem itsGOTtobegroovy angemerkt hat, dass er sich mit den Jahren angewöhnt habe, bei Bewegungen im öffentlichen Raum immer den Eindruck zu erwecken, er hätte ein bestimmtes Ziel oder einen konkreten Anlass, da er ansonsten Misstrauen auslöse, wenn er einfach nur durch die Gegend schlendere, schildert er eine Situation, die im Zusammenhang rassistischer Vorurteile und Sichtbarkeit besonders eindrücklich ist:

So, I have a friend who is also black and trans and he was taking a walk in my neighborhood one night. And my neighborhood is primarily white. And when he got back, he told me that he got stopped by someone – by a resident – and asked what he was doing in the neighborhood. And the first thought that came to my mind was: ›What were you doing?! You know, taking a walk, at night, in a white neighborhood, wearing a hoodie?‹ And of course, I didn’t say that to him because I realized that it’s not his fault and black people should be free to take walks like anyone else. But the fact that that was my first thought really shows how ingrained a lot of this has become in my sort of subconsciousness, in terms of behavior and certain things I can’t do anymore or as freely, I should say, as freely as I could before.51

Die rassifizierte Segregation von Stadtteilen als historisch normalisierte Ordnung von Bevölkerungsstrukturen in (US-amerikanischen) Großstädten wird von itsGOTtobegroovy nicht explizit kommentiert. Doch offensichtlich bedeutet für ihn die Tatsache, in einer weißen Nachbarschaft zu wohnen, eine regelmäßige Konfrontation damit, in seiner alltäglichen Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu sein und das eigene Verhalten entsprechend anpassen zu müssen, um sich vor diskriminierenden, mitunter tödlichen Übergriffen zu schützen. Durch seine Sichtbarkeit als Vlogger im digitalen Raum von YouTube kann er diese Bewegungseinschränkungen zwar nicht überwinden, sie aber zum Thema einer Auseinandersetzung machen. Es fragt sich, ob eine solche Auseinandersetzung – ähnlich wie bei der Black Lives Matter-Bewegung – in den Raum größerer Öffentlichkeiten, und damit möglicherweise auch in seine weiße Nachbarschaft, zurückwirkt. Dass eine solche Diffusion rassistischer Kritik jedoch unwahrscheinlich erscheint, hängt damit zusammen, dass sich die Segregation des öffentlichen Raumes über geografische Wohngegenden hinaus auch in den Netzwerkstrukturen des Internets wiederholt.

Segregationsverläufe, die nicht auf Vorschrift oder Gesetzmäßigkeit basieren, sondern sich selbstständig zu realisieren scheinen, werden mit dem Konzept der Homophilie beschrieben, einem »Prinzip, wonach Ähnlichkeit Verbindungen erzeugt«.52 Die ›Liebe des Gleichen‹ sorge dafür, wie Wendy Chun mit Bezug auf ein zugrundeliegendes Modell von Thomas C. Schelling argumentiert, dass Akteur_innen es bevorzugten, sich zumindest teilweise in Gruppen aufzuhalten, die ihnen ähnelten, ohne dass sie mit dieser Gruppe zwangsläufig eine Mehrheit bilden würden. Über eine gewisse Dauer entsprechender Bewegungen, die vollzogen werden, um homophile Verbindungen herzustellen, entstünde jedoch scheinbar ›natürlich‹ eine klare Segregation der Akteur_innen in bereits vorgeformte Gruppen. Um Migrationsprozesse von Bewohner_innen in Städten oder einzelnen Stadtvierteln und den Effekt einer ethnischen Homogenisierung von Nachbarschaften zu erklären, ist das Prinzip der Homophilie immer wieder angewandt und erweitert worden.53 Kritik an dem Modell benennt in erster Linie die darin vorausgesetzte und stark vereinfachende Dichotomie von Segregation und Integration, die komplexere Lebensrealitäten und strukturelle Vorurteile nicht einbeziehe.54

Neben der Anwendung in der Stadtforschung wird Homophilie gegenwärtig auch herangezogen, um die Vernetzungsbewegungen von Akteur_innen im und durch das Internet, insbesondere durch soziale Medien, zu erfassen. Die sogenannte Filterblase (filter bubble) gilt als ein Effekt dieses vermeintlich natürlichen Prozesses. Sie entsteht, indem mir als Akteur_in in einem sozialen Netzwerk vor allem Themen, Menschen, Gruppen, Werbeanzeigen oder Veranstaltungen präsentiert werden, die, basierend auf algorithmischen Auswertungen meines Verhaltens (der mit mir in Verbindung stehenden Accounts und Profile, meiner Teilnahmen an Events, von mir vergebener Likes und angegebener Interessen) diesen möglichst ähnlich sein sollen. Dabei entsteht Nähe angeblich dort, wo ich meine Überzeugungen, meine Interessen und meine Lebenswirklichkeit geteilt finde. Diesem Prinzip nach erhalte ich bei der YouTube-Suche in weit überwiegender Mehrzahl die Videos weißer Vlogger als Ergebnis, weil sie mir bzw. meinen Erfahrungen als ähnlicher berechnet werden als die von Schwarzen Vloggern. Das gleiche Prinzip gilt für die Funktion des Autoplay-Modus und die Auswahl weiterer Videos, die mir auf YouTube am rechten Fensterrand aufgelistet werden, sobald ich ein Video zur Betrachtung ausgewählt habe.

Die Problematik dieses Erklärungsmodells liegt darin, dass es historische Umstände, alltagsprägende Sachverhalte und strukturelle Hierarchisierungen nicht nur nicht adressieren kann, sondern sie sogar verschleiert:

Doch indem Nachbarschaften durch ihr freiwilliges und ungesteuertes Zustandekommen aufgewertet werden, tilgt Homophilie historische Kontingenzen, institutionelle Diskriminierung und ökonomische Realitäten. Homophilie dient als Alibi für Ungleichheit, die sie abbildet, während sie zugleich Politik unterläuft: Homophilie und nicht Rassismus oder Sexismus erscheinen als Quellen von Ungleichheit, wodurch Ungerechtigkeit wiederum ›natürlich‹ und zur ›ökologischen‹ Eigenschaft von Systemen wird.55

So wie Homophilie in der Beschreibung von Stadtentwicklung nicht berücksichtigen kann, wie Gentrifizierung, (finanziell) prekäre Arbeitsverhältnisse und allem voran das koloniale Erbe des transatlantischen Sklavenhandels und anhaltender Rassismus auf die Bewegungen von Bewohner_innen wirken, streicht das Modell der Sichtbarkeiten und Aufmerksamkeitsverteilung in digitalen Räumen ebenfalls die Möglichkeit aus, die rassistischen Vorannahmen algorithmischer Funktionen kritisch befragen zu können.56

Die von itsGOTtobegroovy angemerkte Segregation von Nachbarschaften setzt sich in der Segregation des digitalen Raumes fort, in dem sein Video zur Verfügung steht. Auch YouTube präsentiert sich als eine weiße Nachbarschaft. Wenn ich in meiner Suche keine spezifischen Begriffe bezüglich Race oder Ethnizität mit angebe und dabei vornehmlich die Videos weißer Vlogger präsentiert bekomme, produziert die Auswahl der Suchergebnisse und ihre Priorisierung anhand vermeintlich bester Treffer, dass Weißsein als unmarkierte Norm stabilisiert wird.57 Die fehlende Notwendigkeit einer Markierung als weiß manifestiert sich schon in dem Moment, in dem das Video auf YouTube zur Verfügung gestellt wird: Tags oder Keywords, die als Metadaten diejenigen aus dem Titel bzw. der optionalen Beschreibung des Videos ergänzen und als solche notwendig sind, damit das Video in der Datenbank der Plattform aufgefunden werden kann, beinhalten in aller Regel Schlagwörter wie ›ftm‹, ›transition‹, ›testosterone‹ oder ›transgender‹, nur in äußerst seltenen Ausnahmen jedoch Begriffe wie ›white‹, ›caucasian‹ oder ähnliches. Vlogger of Color und Schwarze Vlogger hingegen ergänzen ethnische Kategorien in den Titeln, Beschreibungen oder Tags ihrer Transitionsvideos regelmäßig; so auch itsGOTtobegroovy, der Begriffe wie ›black‹, ›african american‹ oder ›black ftm‹ als Keywords angibt oder für die Titel seiner Videos wählt. Eine machtkritische Markierung als weiß über entsprechende Schlagwörter in Titeln, Beschreibungstexten oder den Tags findet sich selten. Darin wird der beanspruchte Universalismus weißer Lebensrealität erkennbar, der auch die Sichtbarkeit von trans* Personen auf YouTube und die Berichte ihrer Transitionserfahrungen bestimmt. Dabei setzt die Plattform diesen hierarchisierenden Effekt nicht nur fort, sie trägt auch zu dessen Selbstverständlichkeit bei, insbesondere, seit die Verschlagwortung der Videos nicht mehr auf den ersten Blick ersichtlich ist. Die Keywords sind aus der Bedienoberfläche von YouTube verschwunden und mittlerweile nur noch im programmierten Gerüst hinter dem Interface lesbar.58

Indem die der An- und Zuordnung der Videos zugrunde liegenden Metadaten buchstäblich in den Hintergrund treten, stellt sich hier ebenso wie in den auf Homophilie basierenden Erklärungen des Phänomens städtischer Segregation der Effekt ein, dass die Umstände und Voraussetzungen einer Gruppierung oder Zugehörigkeit von Accounts und deren Videos ausgeklammert werden. Erzeugt wird eine Nähe und Verbundenheit, die auf vermeintlicher Ähnlichkeit beruht und darüber naturalisiert wird.

Die Diskriminierung, die diesen Zuordnungsprozessen vorausgeht und sich zugleich darin fortsetzt, kann nicht als solche adressiert oder auf ihre Voraussetzungen befragt werden. Zudem produziert das sich algorithmisch realisierende Vorzeichen der Ähnlichkeit hierarchische Normalisierungen hinsichtlich vergeschlechtlichter und rassifizierter Körper, Erfahrungen und Zeitlichkeiten. Kann unter diesen Umständen das selbstdokumentarische trans* Vloggen ein emanzipatorisches und queeres Potenzial entfalten? Können unter Berücksichtigung dieser medialen Bedingtheiten dennoch Unterbrechungen dieser Ausschluss- und Diskriminierungsfunktionen gefunden werden?

ItsGOTtobegroovys Transitions-Update Week 40 on T: Racism as a Black FtM ermöglicht eine doppelte Perspektive, die einlädt, die mediale Komplexität von Schwarzer trans* männlicher Subjektivierung zu betrachten, ohne in der Betonung einer relativen Handlungsmächtigkeit die Diskriminierungs- und Normierungsprozesse zu unterschlagen. Der Vlogger thematisiert die von ihm gemachten Erfahrungen eines alltäglichen strukturellen Rassismus in den USA explizit. Darüber hinaus stellt sich aber auch ein direkter Zusammenhang zwischen diesen Erfahrungen, den technischen Bedingungen der Selbstdokumentation während der hormonellen Transition mit Testosteron und den digitalmedialen Archiven von (Schwarzer) Männlichkeit her, in den sich die Bilder der eigenen Schwarzen trans* Männlichkeit einschreiben.

»Der Schwarze Körper« in digitaler Bildproduktion

Das Video Week 40 on T: Racism as a Black FtM wird von itsGOTtobegroovy als Update-Video in seinem Transitions-Vlog gerahmt: Während der Titel die Konvention aufnimmt, die bereits zurückliegende Zeit seit Beginn der Testosteronbehandlung zu markieren, beginnt der Vlogger sein Video – ebenfalls gängig bei der Erstellung entsprechender Vlog-Beiträge – mit der Nennung des Aufnahmedatums, um dann zu versichern, dass es sich um ein wirkliches Update handelt:

Hey, what’s up, YouTube? Today is October, 27th, and I am back – for real, this time, this is my real update. The last several videos I uploaded where made this summer, so… This is my real update. I am caught up to the present.59

In den folgenden gut zwei Minuten berichtet itsGOTtobegroovy davon, wie unterschiedlich stark ihm in den vergangenen Wochen die Dysphorie zugesetzt habe, und dass es ihm mittlerweile aber besser gehe.60 Er führt diese Verbesserung auch darauf zurück, in alltäglichen Interaktionen immer zuverlässiger als männlich erkannt und adressiert zu werden, folglich seltener damit konfrontiert zu sein, dass die körperliche Erscheinung nicht als seinem Geschlecht entsprechend wahrgenommen wird – was oft eine ganz wesentliche Belastung sein und zur Dysphorie beitragen kann. Nach dieser Feststellung kommt itsGOTtobegroovy auf seinen Körper zu sprechen, genauer gesagt auf seinen Bart, über dessen Wuchs er sich in der vergangenen Zeit freuen konnte. Mit der Thematisierung von psychisch belastenden Umständen, von Zufriedenheit mit Veränderungen und von konkreten Körperlichkeiten wie dem Bartwuchs finden sich damit übliche Inhalte eines Transitions-Updates auch in diesem Video. Doch ändert sich der Ton und der Gegenstand dieses Vlog-Beitrags nach nur gut zwei Minuten: Hauptanliegen sind dann nicht mehr in erster Linie die dem Testosteron zugeschriebenen Effekte auf das eigene Befinden und das körperliche Erscheinungsbild – in Form von tieferer Stimme und zunehmender Gesichtsbehaarung –, sondern der im Untertitel des Videos bereits angemerkte Rassismus, den itsGOTtobegroovy als Schwarzer trans* Mann erfährt.

Abbildung 2: Screenshot aus itsGOTtobegroovyitsGOTtobegroovys Update-Video im veränderten Sensormodus. itsGOTtobegroovyitsGOTtobegroovy, Week 40 on T: Racism as a Black FTM, 30. Oktober 2010 <> [Zugriff: 8. Juni 2018].
Abbildung 2: Screenshot aus itsGOTtobegroovyitsGOTtobegroovys Update-Video im veränderten Sensormodus. itsGOTtobegroovyitsGOTtobegroovy, Week 40 on T: Racism as a Black FTM, 30. Oktober 2010 <https://www.youtube.com/watch?v=XUJIsKYyaKY&> [Zugriff: 8. Juni 2018].

Die Verlagerung des Themas von trans* Männlichkeit zu Schwarzer (trans*) Männlichkeit und deren Diskriminierung, was nun das Video für die weiteren sechs Minuten Laufzeit inhaltlich bestimmt, ist dabei weder selbstverständlich noch zufällig. Vielmehr ist es Effekt der medialen Techniken der Selbstdokumentation, genauer: des Wechsels in den Nachtsichtmodus. Dieser spezifische Einsatz einer digitalen Bildtechnik ist relevant für die weiteren Analysen der trans* Vlogs. An diesem Einsatz werden in vielerlei Weise normierend wirksame Einschreibungen in die audiovisuelle Technik selbst wie auch der mit ihnen verbundenen (selbst‑)dokumentarischen Praktiken erkennbar.

Ersteres hat insbesondere mit der physikalischen Materialität digitaler Bildherstellung zu tun. Infrarotstrahlung liegt im für das menschliche Auge nicht wahrnehmbaren Lichtspektrum.61 Ihre Wellenlänge ist denen des für Menschen sichtbaren Spektrums jedoch so nahe, dass die meisten Bildsensoren gängiger digitaler Kameras, die verständlicherweise Daten liefern sollen, mit denen Bilder in gewohnten Licht- und Farbverhältnissen errechnet werden können, auch auf Lichtwellen des Infrarotbereichs reagieren, die Bestandteil des Sonnenlichts sind. Damit diese sensorische Ungenauigkeit auf den mit entsprechenden Kameras aufgenommenen (Bewegt-)​Bildern den menschlichen Seheindruck nicht stört, wird vor dem Sensor oder im Linsensystem ein Filter eingebaut, der dafür sorgt, dass die Lichtwellen dieses Spektralbereichs nicht aufgenommen werden.

itsGOTtobegroovy scheint an seiner Kamera per Knopf oder Schalter diesen Filter mechanisch entfernen oder über eine Software deaktivieren zu können, sodass die Sensoren in seiner Kamera auch Lichtwellen des für das menschliche Auge nicht sichtbaren Lichts aufzeichnen. Diese Funktion ist bemerkenswert, denn obwohl dieser Aufzeichnungsmodus mit der werksbedingten Sensibilität der Sensoren technisch ubiquitär verfügbar wäre, kann er an nur wenigen Endgeräten aktiv eingeschaltet und genutzt werden. Anders gesagt: Es bedarf eines zusätzlichen technischen Aufwands, die Sensibilität der jeweils verwendeten Bildsensoren zu verringern. Dies bedeutet, dass die reguläre Funktion der Kamera in ihrer tatsächlichen Handhabung gegenüber ihrem technischen Potenzial eingeschränkt ist.62 Beispielsweise bestätigt sich im alltäglichen Umgang mit digitalen Smartphonekameras, dass dieser Aufwand der Limitierung von Sensibilität per Filter regelmäßig betrieben wird, denn die damit aufgenommenen Bilder entsprechen farblich den menschlichen Sehgewohnheiten. Die Option, diesen Filter auch deaktivieren zu können, ist seitens der Herstellerfirmen in der Entwicklung der Geräte wiederum nur selten technisch gegeben.63

Auch in der digitalen Bildaufzeichnung liefern folglich Sehgewohnheiten und Lichtnormen die Rahmenbedingungen für technische und materielle Entwicklungs- und Einsatzmöglichkeiten (oder deren Unterbindung). Richard Dyer thematisiert technisch reproduzierte Race- und Genderhierarchien in seinen umfangreichen Essays zum unmarkierten Weißsein in der visuellen Kultur- und vor allem der (frühen) Filmgeschichte für analoge (Bewegt‑)​​Bildaufnahmen: Die Auswahl und der Einsatz der jeweiligen Materialien bestimme sich danach, dass der weiße Körper und insbesondere das weiße Gesicht – beide, wie Dyer treffend bemerkt, keineswegs weiß, sondern rosa – möglichst in idealer Ausleuchtung aufgenommen werden könne.64 Um dies im frühen Kino zu erreichen, wurden nicht nur kostspieligere, sondern bei den Dreharbeiten für alle Beteiligten auch umständlicher zu handhabende Lichtquellen eingesetzt, allein zu dem Zweck, den Effekt der optischen Verdunklung von (heller) Haut und (blonden) Haaren zu vermeiden. Dringend galt es zu verhindern, dass weiße Schauspieler_innen als Schwarz erschienen.65

Nun lässt sich diese kulturwissenschaftliche Analyse historischer Material- und Beleuchtungssettings nicht unmittelbar auf zeitgenössische digitale Bildherstellung übertragen. Schon die Notwendigkeit, digitale Bildinformationen algorithmisch zu verarbeiten, multipliziert die technischen Darstellungsoptionen fotografischer Aufnahmen.66 Auffällig ist jedoch, dass trotz einer vergleichsweise viel größeren Palette an Optionen zur Einstellung von Licht- und Farbmodi bei digitalen Foto- oder Videoaufnahmen auch die darin zugrunde gelegten technischen Normierungen nicht befragt, sondern vielmehr bestärkt werden.67

In ihren Überlegungen zum emanzipatorischen Potenzial digitaler Foto- und Videografie stellt Ulrike Bergermann fest, dass auch heute noch die Normwerte von »Farbtemperaturen in Tabellen mit ›künstlichen und natürlichen Lichtquellen‹ in den entsprechenden Handbüchern und Online-Tutorials […] auf nordeuropäische Lichtverhältnisse bezogen [sind].«68 Gleichzeitig betont sie auch die Unzuverlässigkeit des digitalen Weißabgleichs, der nun, statt der Auswahl von bestimmten fotosensitiven Materialien bei analogen Bildaufnahmen, dafür sorgen soll, dass das produzierte Bild nicht von einer Sehgewohnheit abweicht. Insofern dieser Abgleich unter verschiedenen Lichtverhältnissen stets neu vorgenommen werden muss, erweise er sich als zu instabil, um einen universalen Anspruch auf die Normierung von Licht- und damit Farbverhältnissen geltend machen zu können. Doch damit diese technischen Umstände auch die bestehenden Hierarchien der Repräsentation, des Sehens und angesehen Werdens aufweichen oder umarbeiten können,

muss man sie in eine Ordnung des Wissens (eine Intelligibilität) einfügen, ein Wissen von, eine Literalität in Weißabgleichen, deren Relativität in jeder Szene neu verankert werden muss, um zu postulieren, dass sie fortwährend transformierbar sind.69

Meine Analyse des geänderten Bildmodus im Video von itsGOTtobegroovy zielt nicht auf die korrekte Farbgebung, nicht auf die Politisierung eines automatischen oder manuellen Weißabgleichs. Wohl aber betrifft sie eine andere fotometrische Dichotomie, jene der Reflexion oder Absorption von Licht durch spezifische materielle Körper. Deren Effekte reichen, wie sich am Video von itsGOTtobegroovy zeigt, über eine physikalisch-optische Dimension hinaus. Wie der digitale Weißabgleich lässt sich auch ein dichotom konstruiertes Verständnis von Reflexion und Absorption politisieren, indem seine technische Transformierbarkeit wie auch die stets erneut notwendige Verankerung an lediglich relativ fixen Ausgangs- und Normwerten betont wird. So fordert der von Bergermann zitierte kongolesische Filmemacher Balafu Bakupa-Kanyinda für ein post-koloniales Kino:

Als junger Schwarzer lernt man in der Schule: Schwarz absorbiert das Licht, Weiß reflektiert es. Dann denkt man: ›Das klebt jetzt an mir. Das werde ich nie wieder los.‹ Doch irgendwann kommt die Erkenntnis, dass es sich dabei nur um chemische Formeln und Verfahren handelt, die man genauso gut ändern kann. In dieser Hinsicht ist vor ungefähr zehn Jahren eine neue, wunderbare Zeit angebrochen: der digitale Film. Mit einem Schlag hat er uns befreit von der Charta der Sensitometrie und von einem Filmmaterial, das für die klassische Schönheit, also für die Weiße Haut gemacht ist. Die klassische Weiße Schönheit war immer zugleich ein Markt. Und dieser Markt verlangte auch nach einem Film aus Zelluloid und Emulsion. Nun können wir die ganze Last dieser Geschichte abschütteln und Zwiesprache mit der Kamera halten, sie mit unserer jeweils eigenen Farbenlehre füttern und ihr sagen: ›Ich will, dass diese Figur grün ist. Grün ist eine schöne Farbe.‹70

Während »der schwarze Körper« in der (optischen) Physik als Körper absoluter Lichtabsorption gilt,71 erscheint der Schwarze Körper von itsGOTtobegroovy in seinem Video in grünem Licht. Grün ist in diesem Fall nicht nur, wie Bakupa-Kanyinda erklärt ›eine schöne‹, sondern eine politisierte Farbe: Einerseits referiert sie visuell die thermografische Überwachungs- und Beobachtungstechnik, die rassifizierte und insbesondere Schwarze Körper als Bedrohungen, als Eindringlinge und Gefahren hervorbringt. Andererseits erfolgt bei itsGOTtobegroovy eine affektive Aneignung und Umdeutung dieser Subjektivierung.

Es lässt sich nur spekulieren, ob Bakupa-Kanyindas Idee einer neuen Farbenlehre auf eine solche Visualisierung langwelligeren Lichts anspielt, doch möchte ich seine Überlegungen dazu, wessen Sichtbarkeit wie mithilfe welcher technischen Mittel und in welchen medialen und diskursiven Settings hergestellt wird, aufgreifen. Meine weitergehende Frage lautet, wie dies Subjektivierungen hervorbringt, die durch rassifizierende Vergeschlechtlichung in digitaler Bildproduktion und damit auch den trans* Vlogs auf YouTube entstehen und wie dies wiederum mit deren medialen Zeitlichkeiten in Verbindung steht. Bei handelsüblichen digitalen Video- und Fotoaufnahmegeräten steht die technisch mögliche Funktion, andere Lichtspektren aufzuzeichnen als diejenigen, die im gewohnten Wahrnehmungsbereich liegen, praktisch oft nicht zur Verfügung, weil sie durch spezifische Bauteile aktiv unterdrückt wird. Dadurch setzt sich die von Dyer beschriebene Hierarchisierung rassifizierter Körper durch den Modus der visuellen Aufnahme fort. Auch bei digital basierten Bildproduktionen ist helle Haut offenbar noch immer der Maßstab für Beleuchtungen und Farbkorrekturen, sodass Sensoren und Techniken entsprechend dieser Werte entwickelt und hergestellt werden. Eine eigene, digitale Farbenlehre oder andere technische Umgangsformen bezüglich der Wahrnehmung und Aufzeichnung von Lichtspektren sind bisher noch nicht entworfen, geschweige denn in den Geräten umfassend verfügbar gemacht worden. Eine entsprechende Notwendigkeit oder auch das Potenzial dieser Optionen findet keine Anerkennung.72 Das Nachdenken über derartige materielle Veränderungen greift auch feministische Forderungen auf, die Selbstverständlichkeit der Verwendung von physikalischen Metaphern zu befragen und neu zu denken, um spielerisch »die Konstruktion von neuen Mustern und neuen Geschichten« für das eigene Leben und das Wissen darüber zu ermöglichen.73

Um solche neuen Muster und Geschichten zu entwickeln und als jeweils konkret situierte verstehen zu können, muss berücksichtigt werden, wie rassifizierte vergeschlechtlichte Normen in die jeweiligen Techniken und Diskurse eingeschrieben werden. Dies gilt insbesondere, wenn in den Untersuchungen der trans* Vlogs und vor allem den Transitions-Updates die Möglichkeit alternativer Zeitlichkeiten aufscheint und als queeres Potenzial lesbar wird. Sofern sich dieses Potenzial im selbstdokumentarischen Umgang mit den Materialien bzw. Techniken Testosteron und Videoblog eröffnet, muss es gleichzeitig daraufhin befragt werden, für wen es sich mit dem medialen Einsatz in welchem Maße wie realisiert. Eine pauschale queere Zeitlichkeit zu konstatieren, würde jedenfalls nicht dazu beitragen, die materielle wie epistemologische Bedeutung und Funktion des medialen Arrangements für trans* Personen differenziert zu beschreiben, denn die unterschiedliche Ausprägung der Ambivalenzen, Potenziale und Vulnerabilitäten sind weder gleichmäßig noch gleichbleibend verteilt.

Dies wird noch deutlicher, wenn ich einen zweiten Aspekt der Untersuchung hinzuziehe, den ich an den spezifischen Einsatz des veränderten Bildmodus im Update-Video von itsGOTtobegroovy knüpfe: die Einspeisung dieser Bilder in (visuelle) Archive sowie die Umarbeitung der in diesen Archiven sich sedimentierenden Bilder von (Schwarzen) Männlichkeiten wie auch von trans* Körpern.74 Obwohl das veränderte Lichtspektrum und das daraus errechnete grünlich erscheinende Bild von itsGOTtobegroovys Kinn und Gesicht nicht den alltäglichen Sehgewohnheiten entspricht, ist dessen visuelle Textur in diesem Licht- und Farbmodus dennoch vertraut. Bekannt sind solche Aufnahmen durch den Einsatz entsprechender Kameras in der Naturforschung und der Industrie – vor allem aber als besonders für den nächtlichen Einsatz konzipierte Überwachungstechnologie zu privaten wie militärischen und polizeilichen Zwecken.75 Solche visuellen Aufzeichnungen setzen eine lange Geschichte verschiedener Dokumentationspraktiken fort, die nicht-weiße Körper als rassifizierte Andere, als Eindringlinge und Bedrohung hervorbringen. Insbesondere der Schwarze Körper wird in diesen Medienanordnungen hypersichtbar.

Techniken der visuellen Kontrollen, Messungen und Vergleiche und deren Dokumentationen in unterschiedlichen Medien kamen und kommen zum Einsatz, um hierarchisierende Differenzen zwischen Körpern entlang ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe oder Physiognomie herstellen zu können.76 Dies ist ein Archiv, dessen rassistische Dimension in Zeiten digitaler Bildproduktion sowohl in Hypervisibilisierung als auch durch Auslassungen erweitert wird, wenn Schwarze Körper nicht im Bild auftauchen, weil sie von einer Software visuell nicht erfasst oder algorithmisch als nicht-menschliche Körper eingeordnet werden.77 Eine übermäßige Sichtbarkeit, eine Hypervisibilität wiederum stellt sich dort her, wo Visualisierungstechniken daran mitwirken, Körper zu kontrollieren, wie beispielsweise an nationalstaatlichen Grenzen oder auch Grenzen von privatem Eigentum, und sie darüber als ›andere‹ herzustellen.

Dieser Zusammenhang ist für die Selbstdokumentation nicht unerheblich, da itsGOTtobegroovy in diesem wie auch in vorangegangenen und folgenden Videos auf seinem Kanal zentral thematisiert, wie er im Laufe seiner geschlechtlichen Transition Veränderungen beobachtet an der Art, wie andere ihn im öffentlichen Raum und vor allem in der nächtlichen Dunkelheit kontrollieren und überwachen, seit er als Schwarzer junger Mann gelesen und adressiert wird, und wie dieses Verhalten anderer auch zu einer stärkeren Selbstbeobachtung und -kontrolle führt.

Nicht nur eine vermeintlich banale Tätigkeit wie scheinbar zielloses nächtliches Spazierengehen wird in einer rassistischen und sexistischen Gesellschaft zum Anlass genommen, darin eine Provokation oder Gefährdung zu imaginieren. Auch die Bewegung im öffentlichen Räum in Nähe zu anderen Personen wird zur Herausforderung, wenn die eigene Erscheinungsweise unmittelbar als Bedrohung gelesen wird:

Another thing I’ve been conscious about since transitioning, another behavior change, is being careful or, at least, conscious of how close I am walking behind someone. This is something I did not think of at all prior to transition. But since transitioning, I’ve noticed that I’ll get nervous glances, particularly if I’m behind women, regardless of their race – white women, black women. And so now, when I’m out in public, if I’m walking behind someone and that person’s a woman, often what I’ll do is I’ll just walk quickly and pass the woman so that she’s behind me.78

Diese kurzen Schilderungen werden im Zusammenhang mit der technischen Auffälligkeit des eingesetzten Nachtsichtmodus besonders interessant und stellen die Komplexität der miteinander interferierenden Race- und Gender-Differenzen heraus: Im Nachtsichtmodus der Kamera wird der Bart sichtbarer, die (körperliche) Männlichkeit positiv bestätigt und verstärkt. Gleichzeitig ist es die Bildästhetik der Überwachungskamera, die daran erinnert, dass die eigene Schwarze Männlichkeit durch andere Personen und auch Institutionen (technisch) überwacht und darüber als Bedrohung konstituiert wird. Besonders in dieser letzten Szene wird deutlich, dass es dabei nicht allgemein um rassifizierte Zuschreibungen und rassistische Vorurteile geht, sondern um eine vergeschlechtlichte Rassifizierung: Es sind die Gesten und Verhaltensweisen von Frauen gegenüber einem Schwarzen Mann, die itsGOTtobegroovy beschreibt und auf die er in Bewusstsein von rassistischen ebenso wie sexistischen Strukturen einer patriarchalen Gesellschaft reagiert. Strukturen, in die er selbst mit seiner Transition verändert eingelassen und mit denen er nachfolgend aus veränderter Perspektive konfrontiert ist.

Testosteron modifiziert damit nicht nur physiognomische Merkmale des jeweiligen Körpers oder beeinflusst individuell emotionale Zustände. Es beeinflusst nicht nur, wie Geschlecht (von anderen Personen) wahrgenommen wird, sondern bedingt eng damit verbunden auch eine veränderte Rassifizierung.79 Das Hormon wird in und mit den trans* Vlogs und unter Berücksichtigung der rassifizierenden Effekte von Geschlecht in zweifacher Hinsicht auch zu einem sozialen Medium. Es verschiebt als solches nicht nur die Konfiguration zwischenmenschlicher Interaktionen, wie in psycho-endokrinologischen Untersuchungen immer wieder geprüft und diskutiert wird.80 Vielmehr verändert es sogar die Ordnung von Raum und Zeit als Koordinaten dieser sozialen Kontakte.

Die Tatsache, als Mann erkannt zu werden, was in patriarchalen Gesellschaften gleichbedeutend ist mit der Selbstverständlichkeit, öffentliche Räume problemlos(er) betreten und sich ungehindert(er) in ihnen bewegen zu können,81 produziert hier gleichzeitig eine Aufhebung eines solchen Privilegs, insofern der Aufenthalt für Schwarze trans* Männlichkeiten in bestimmten Räumen zu bestimmten Zeiten gerade nicht, wie itsGOTtobegroovy in seinem Video bemerkt, »so frei wie […] zuvor« (as freely as […] before) stattfinden kann.82 Wenngleich seine Selbstdokumentation eine persönliche Wahrnehmung artikuliert, ergibt sich aus der Veröffentlichung auf YouTube zugleich eine Anschlussfähigkeit für ähnliche Erfahrungen anderer Schwarzer (trans*) Männer. Die Veröffentlichung trägt dazu bei, ein Repertoire weiterer Einschreibungen junger Schwarzer Männlichkeiten in visuelle Archive zu schaffen. Diese Öffnung der persönlichen Erfahrung, die auch eine Politisierung ermöglicht, insofern strukturelle Rassismen adressierbar werden, ergibt sich dadurch, dass itsGOTtobegroovy sich mit seinem Transitions-Update in verschiedene digitale Bilderarchive einschreibt und diese darüber auch umarbeitet. Zum einen wird sein Video als ein sogenanntes Update-Video unter dem Titel Week 40 on T Teil des trans* Diskurses, der sich in den vergangenen Jahren maßgeblich auf YouTube und den sich dort realisierenden Sichtbarkeiten und Aushandlungen von trans* als selbstbewusster Geschlechtlichkeit entwickelt hat. Zum anderen verkompliziert das Video Ambivalenzen der trans* Vlogs durch die Berücksichtigung rassifizierender Aspekte, wodurch es auch in Bildarchive medialer Schwarzer Männlichkeiten eingeschrieben wird.

Als Teil des trans* Diskurses fordert das Video das ambivalente Verhältnis von trans* Personen zu Modi der (Selbst‑)Dokumentation heraus. Wie ich bereits gezeigt habe, formulieren die trans* Vlogs einerseits einen Gegenentwurf zu den pathologisierenden Anforderungen juristischer, medizinischer und therapeutischer Institutionen, indem sie sich das Protokollieren in emanzipativem Gestus aneignen und um Erfahrungswissen erweitern. Jedoch können sie andererseits offizielle Anforderungen nicht gänzlich zurückweisen und reproduzieren selbige unter Umständen aus der vermuteten oder explizit artikulierten Notwendigkeit heraus, erforderliche Unterstützung in Form von Therapien und Gutachten nicht aufs Spiel zu setzen. Trotz dieser Rückbindung an Geschlechtlichkeit limitierende Dokumentationsformen wird trans* Männlichkeit in den Videos auch als lebbares, begehrtes, als freud- und lustvolles Sein dokumentiert. Diese Ambivalenz der Subjektivierung durch selbstdokumentarische Praktiken wird komplexer, wenn man berücksichtigt, dass die strukturellen Kontrollen und internalisierten Selbstkontrollen sich nicht nur auf eine Regulierung geschlechtlicher Uneindeutigkeit beziehen, sondern auch rassifizierende Effekte an und in den Körpern hervorbringen. In diesem Sinne rufen itsGOTtobegroovys Videos sowohl das trans* Archivs auf YouTube als auch (digitale) Bildarchive medialer Schwarzer Männlichkeiten auf und erweitern beide in dieser Verschränkung. Die Bezugnahme auf visuelle Archive Schwarzer Männlichkeiten geht weit über die konkrete Selbstbezeichnung im Untertitel des Videos Racism as Black FtM hinaus. Die Praktik der Selbstdokumentation und insbesondere der veränderte Bildmodus produzieren eine Subjektivierung, die mit den in den Archiven sedimentierten Bildern von Schwarzen Männlichkeiten in Beziehung tritt. Ich komme noch genauer darauf zurück, wie diese Bilder als Effekt rassistischer Einschreibungen sowohl Unsichtbarkeit als auch Hypervisibilität produzieren und als solche bereits eine lange gewaltvolle Historie, zumal in den USA, besitzen.

Unmittelbar nach der Umstellung auf den Nachtsichtmodus wechselt itsGOTtobegroovy auch das Thema seines Videos. So verbindet er das Erleben der geschlechtlichen Transition mit der Erfahrung veränderter Modi der rassistischen Übergriffe. Dies hat eine technologische Dimension, denn nicht nur die User_innen, die sein Video anschauen, nehmen den veränderten Aufzeichnungsmodus wahr, auch der Vlogger selbst sieht sich während der Aufnahme auf dem Bildschirm seines Computers oder dem Display seines Aufnahmegeräts auf neue Weise. War er zuvor Teil eines Bildarchivs, das nicht-weiße Körper als ›andere‹ hervorbringt und markiert, trägt er durch den Einsatz des Nachtsichtmodus dazu bei, (selbst‑)ermächtigende Darstellungsweisen Schwarzer oder nicht-weißer Körper zu schaffen.

Dies geschieht zum Beispiel dadurch, dass er die Funktion von digitalen Überwachungskameras, die sonst zur Kontrolle des eigenen Grundstücks oder auch der (weißen) Nachbarschaft an der Außenseite der Häuser hängt, in seinem Video im Innern der eigenen Wohnung einsetzt und gegen bzw. auf den eigenen Körper richtet. Dies ist gerade nicht als Geste einer internalisierten Selbstkontrolle verstehen. Vielmehr erfolgt ein Perforieren der Grenze zwischen privaten und öffentlichen Räumen. Indem das Video auf YouTube hochgeladen wurde und der Öffentlichkeit aller derzeitigen und zukünftigen User_innen potenziell zur Ansicht verfügbar ist, verbleiben die persönlich erfahrenen rassistischen Anfeindungen nicht im privaten Raum und es eröffnet sich die Möglichkeit, sie als strukturelle Gewalt sichtbar zu machen und auch die damit verbundenen Affekte zu politisieren. Auch wenn das Video bereits 2010 hochgeladen wurde und damit der erst 2013 als solcher ins Leben gerufenen Black Lives Matter-Bewegung vorausgeht, realisiert sich darin eine mediale Praktik, die in vergleichbarer Weise eine Anschlussfähigkeit für bürger_innenrechtliche Interventionen herstellt.

Dennoch kann nicht davon ausgegangen werden, dass itsGOTtobegroovy mit der von ihm gewählten Bildästhetik des Nachtsichtmodus deren rassistischer Prägung gänzlich entkommt. Zwar fordert er die bestehenden Archive heraus, aber liegt in dieser Art der Mediatisierung womöglich auch eine Form der Selbstüberwachung? Schließlich ist es die gleiche Technologie, die der Kontrolle und Überwachung von Umwelten dient und die in einem polizeilich-militärischen Kontext verstärkt gegen rassifizierte und insbesondere Schwarze Körper eingesetzt wird, die in dem Update-Video eine ambivalente Aneignung erfährt. Die Widerständigkeit, die darin liegt, dass der Schwarze trans* männliche Körper sichtbar/er wird, setzt diesen zugleich dem überwachenden Blick aus und bestärkt vielleicht die Hypervisibilität.83 Indem itsGOTtobegroovy (selbstdokumentarische) Bilder für die sozialen Medien produziert und sie dort verbreitet, erprobt er gleichzeitig Handlungsmächtigkeit (agency) im Erweitern und Verschieben der digital-medialen (Bild-)Archive, aber auch deren diskursive und technologische Rahmung, die durch rassistische und sexistische Herrschaft geformt ist.

Die Künstlerin Julia R. Wallace und der Schwarze Gender- und Queertheoretiker Kai M. Green fordern in ihrem gemeinsamen Tranifest für queere Zukünfte:

We have seen this happen before, our stories, our spaces excavated as the cameraperson asks for something authentic, something real, something black. We must take back the camera not simply to create our own stories but to prove that there are indeed other ways of being and knowing that challenge the notions of a pathological native, just waiting to be understood before the dominant gaze.84

Es geht folglich in Bezug auf Handlungsermächtigung innerhalb von Dokumentationsvorgängen nicht allein um die »Aneignung der Dokumentationsmittel«85 – Film-, Video- oder Fotokamera – oder darum, sich den pathologisierenden Zugriffen beglaubigter Aufzeichnungen aus marginalisierter Perspektiven entgegenzustellen. Für queere Schwarze trans* Zukünfte gilt es, sowohl das Wissen, das in die dokumentierten Geschichten eingelassen ist, als auch das, das die medialen Techniken bestimmt, zu verändern, um die etablierten Wahrheitsansprüche bisheriger Archive herauszufordern. Vlogger wie itsGOTtobegroovy vollziehen mit den Vlogs eine solche Form der Aneignung und Umarbeitung der Archive, erfahren aber die eigene Sichtbarkeit als trans* und/oder Schwarz auch immer wieder als Bedrohung und Prekarisierung. Sie müssen dementsprechend mit dieser Sichtbarkeit und dem darin angelegten Versprechen von Zukünftigkeit anders umgehen als weiße trans* Vlogger.

Prekäre Sichtbarkeiten, prekäre Zukünftigkeiten

Die von itsGOTtobegroovy geschilderte nächtliche Überwachung der Nachbarschaft durch rassistische Beobachtungen weißer Anwohner_innen und deren Aufspüren von als verdächtig und bedrohlich imaginierten – und das meint hier: Schwarzen, männlichen – Körpern, produziert ebenso eine Form der Selbstkontrolle wie auch der Selbstsorge. Beide sichern im Zweifel das eigene Überleben. Im von itsGOTtobegroovy angesprochenen rassistischen Misstrauen bezüglich zielloser Bewegung im öffentlichen Raum schwingt ein weiterer Argwohn mit: der gegenüber scheinbar zielloser, im Sinne von nicht auf binärer Eindeutigkeit beruhender Geschlechtlichkeit sowie der einer nicht auf Nutzen ausgerichteten Zeitlichkeit. Die pathologisierenden Protokolle der medizinischen, therapeutischen und juristischen Institutionen sind darauf ausgelegt, eine als notwendig erachtete Eindeutigkeit (geschlechtlicher) Identifizierung herzustellen.86 Werden diese Vorgaben nicht eingehalten, Erwartungen anderer an den eigenen Körper nicht erfüllt, produziert dies in sozialen Situationen eine prekäre Sichtbarkeit – ebenso wie die des Schwarzen männlichen Körpers in der nächtlichen Umgebung einer weißen Nachbarschaft. Beide vermeintlichen Uneindeutigkeiten werden als Bedrohungen (threat) gerahmt, wie itsGOTtobegroovy frustriert anmerkt. Obwohl diese Rahmungen eine Gefahr lediglich imaginieren, werden sie dabei paradoxerweise zur Gefahr für eben diejenigen, die als Quelle des vermeintlichen Risikos besonders sichtbar werden. Die imaginierte Bedrohung bewirkt Diskriminierung und oftmals tödliche Gewalt. Mögliche Zukünfte stehen angesichts der konkreten Bedrohung des eigenen Lebens auf dem Spiel.

Die gerade in weißen LGBTIQ-Communities oft affirmativ begrüßte und weiterhin geforderte identitätspolitische Sichtbarkeit von Schwarzen trans* und trans* Personen of Color im medialen Alltag ist dementsprechend eine ambivalente Angelegenheit. Kara Keeling problematisiert diese Ambivalenz in ihrer Analyse des Dokumentarfilms The Aggressives, wobei sie auch ihre eigene Komplizinnenschaft mit kolonialen Logiken der Sichtbarmachung reflektiert. The Aggressives widmet sich dem von Hafterfahrungen geprägten Alltag genderqueerer, männlicher, Schwarzer Protagonist_innen, von denen eine_r, Keeling nennt die Person M—, im weiteren Verlauf des Films nicht mehr auftaucht.87 Über Einblendungen am Ende des Films erfahren wir Zuschauer_innen, dass M— während der Invasion der USA in den Irak plötzlich das Militär verlassen hat und aktuell nicht bekannt ist, wo M— sich aufhält. Keeling spürt in ihrer Analyse des Films diesem Verschwinden von M— nach und diskutiert daran die Einsätze und Risiken einer auch politischen Notwendigkeit von Sichtbarkeit:

In the colonial world of which Fanon writes, for example, the hypervisibility of blacks and the organizations of space that rationalize their hypervisibility are crucial techniques through which colonial power and white supremacy were maintained. Insofar as colonial logics can be said to undergird present socioeconomic relations, black people can become visible only through those logics, so danger, if not death, attends every black’s appearance. Yet precisely because what is visible is caught in the struggle for hegemony and its processes of valorization, one cannot not want the relative security promised by visibility.88

Keeling ist sich dieses machtvollen und äußerst ambivalenten Effekts von Sichtbarkeit bewusst, der vor allem auch subjektivierende Adressierbarkeit und raumzeitliche Lokalisierbarkeit insbesondere durch staatliche, polizeiliche und militärische Institutionen bedeutet. Ihre Forderung nach einer Politisierung von Sichtbarkeit geht folglich über eine reine Repräsentationspolitik hinaus, indem sie die darin oft als gegeben vorausgesetzte Verschränkung von Sichtbarkeit und Sicherheit problematisiert. Sichtbarkeit hält nur für diejenigen einen Mehrwert in Form von Anerkennung und Schutz vor Gewalt bereit, die in den bestehenden Strukturen symbolischer Ordnungen anerkannt werden können und denen darin eine Zukunft offensteht. Diese Perspektive ist den »Figuren einer radikalen Alterität« (figures of radical alterity) – Schwarzen und Queers – nicht gegeben.89 Statt auf eine gesicherte Zukunft hin agieren zu können, gehören sie zu denjenigen, »die die Zukunft in jedem Moment neu erringen müssen« (for whom the future remains to be won in each moment).90 Keeling greift für ihr Argument sowohl auf queertheoretische (Edelman) als auch postkoloniale (Fanon) Theorien zurück, um eine mögliche Verbindung Schwarzer und queerer Politiken zu durchdenken und »die Spannung zu beschreiben zwischen der Hermeneutik, eine Figur radikaler Alterität innerhalb der Strukturen zu erkennen, die Zukünftigkeit garantieren, und der Determiniertheit der Politiken angesichts dieser Anerkennung«.91

Ohne diese Ambivalenz und die in ihr sich reproduzierende Bedrohung auflösen zu können, entwirft Keeling mittels postkolonialer und queerer Konzepte von Zeitlichkeit die Option einer alternativ lebbaren (Un)Sichtbarkeit für M—. Sie rückt dazu in ihrer Analyse des Films eine potenziell-zeitliche Dimension in den Vordergrund, die darauf verzichtet, einen möglichen raumzeitlichen Aufenthaltsort von M— zu bestimmen, an dem M— zwar sichtbar, aber damit gleichzeitig auch (militärrechtlich) verfolgbar wäre.92 Sie schlägt stattdessen vor, angesichts der gegenwärtigen Gefährdung durch strukturelle Gewalt und sogar drohende Todesgefahr M—s Existenz in einer gewaltfreien oder wenigstens gewaltärmeren, in jedem Fall aber nicht-lokalisierbaren zukünftigen Zeitlichkeit zu vermuten. Auf diese Weise stellt sie eine erinnernd sorgende statt einer überwachenden Sichtbarkeit her, bemerkt aber auch, an Edelman anknüpfend: »From within the logics of reproductive futurity and colonial reality, a black future looks like no future at all.«93 Indem sie für M— die Möglichkeit einer Präsenz in Absenz entwirft, trägt Keeling diesen bedrohlichen Realitäten und der besonderen Vulnerabilität Rechnung und zeigt gleichzeitig mögliche temporale Aus- oder Umwege auf. Diese setzen den Zwängen einer straight Zeitlichkeit – im Sinne von linear ebenso wie heteronormativ und damit weiß – alternative Rhythmen einer denkbaren Zukunft entgegen und unterbrechen so die Fortsetzung einer gewaltvollen kolonialen Vergangenheit.

Während Keeling diese Rhythmen als ein in The Aggressives – und zwei weiteren Filmen des New Wave/New Queer Cinema – entstehendes Surplus ausmacht, lässt sich auch an itsGOTtobegroovys Videos die Frage stellen, inwiefern die Rhythmen des Vloggens und der Testosteronbehandlung ebenfalls eine Art zeitlicher Durchbrechung ermöglichen, deren queeres Potenzial sich, so Keeling, explizit auch als eine Verschiebung oder Umarbeitung kolonialer Zeitlichkeiten realisieren kann. Vor dem Hintergrund der Schilderungen von itsGOTtobegroovy sowie der Prekarität von Schwarzen trans* Personen und trans* Personen of Color ist Keelings Feststellung zu modifizieren: Wenn schon eine Schwarze Zukunft (black future) aufgrund der Vulnerabilität im Grunde no future bedeutet, (wie) kann dann eine Schwarze trans* Zukünftigkeit in Anbetracht noch größerer Verletzlichkeit überhaupt entworfen werden? Und wie wirken trans* Vlogs und Testosteron an den verschiedenen Zeitlichkeiten, die diachron bestehen können, mit?

Testosteron wird als Hormonpräparat in erster Linie eingesetzt, um rassifizierte Geschlechterideale binär zu stabilisieren und geschlechtliche Identitäten durch Kohärenz und Linearität in eine vorgeblich gesicherte Zukunft zu überführen. Auch wenn um 1900 der Einsatz des Hormons für die Behandlung von cis Männern konzipiert wurde, realisiert sich der Vereindeutigungs- und Stabilisierungsanspruch spätestens seit den 1950er Jahren auch in den Verschreibungen für trans* Personen. Versehen mit dem Versprechen, Körper durch technologische, chirurgische und endokrinologische Errungenschaften formen zu können, stellt Halberstam für damit verbundene Fortschrittsimperative fest, dass »der trans* Körper als Zukünftigkeit selbst entstanden ist« ([t]he transgender body has emerged as futurity itself).94 Auch die wiederholte Zuführung von Testosteron verspricht auf den ersten Blick einen anhaltenden zeitlichen Fortschritt auf eine körperliche Vermännlichung hin, bezeugt aber bei genauerer Betrachtung eher eine Geschlechterflexibilisierung. Denn der potenzielle zukünftige Körper wird zwar in eine Zukunft hinein entworfen, erweist sich letztlich jedoch als weder planbar noch vorhersehbar. Anders als Halberstams Formulierung es nahelegt, ist der trans* Körper keine Erscheinung, die sich aus einer Vergangenheit in die Gegenwart entwickelt hat (has emerged), sondern bleibt durch die Hormonbehandlung – ebenso wie deren Aussetzen oder Beenden – ein Körper im fortdauernden Werden (it keeps emerging).

Während bereits gezeigt werden konnte, dass sich das Souveränitätsversprechen des Hormons bezüglich einer spezifischen Zukunft in Form gezielter körperlicher Veränderungen nicht aufrechterhalten lässt, muss des Weiteren betont werden, dass nicht pauschal jedem trans* Körper überhaupt eine Zukünftigkeit offensteht. Die spezifische Gefährdung rassifizierter und insbesondere Schwarzer Körper aufgrund strukturell rassistischer Gewalt darf in der zeitgenössischen Diskussion um staatliche wie gesellschaftliche Anerkennung von trans* als lebbarem geschlechtlichen Sein nicht übergangen werden.

Jasbir Puar analysiert die Bestrebungen vieler Mitglieder von TransJustice, einer politischen Initiative in New York, die sich vornehmlich aus afro- und lateinamerikanischen trans* Jugendlichen zusammensetzt, als Ausdruck dieser Gefährdungslage. Das von ihnen ersehnte passing entlang von Parametern wie schön, weiblich und sexy wirkt auf den ersten Blick vielleicht als geschlechterpolitisch konservativ, ist aber aus einer rassistisch marginalisierten Position heraus immer auch Strategie des täglichen Überlebens. Es dient dem »Vermeiden von polizeilichen Schikanen, Stigmatisierung seitens der Community und familiärer Zurückweisung« (avoiding police harassment, community stigmatization, and familial rejection).95 Der Wunsch der in dieser Gruppe organisierten Jugendlichen nach Assimilation in Form stereotyp geschlechtlicher Körpernormen müsse folglich mit Rücksicht auf rassistische Diskriminierung komplexer diskutiert werden:

They do not embody ›futurity itself‹; rather, their bodies can be read as sites of intensive struggle (medical, educational, employment, legal, social) over who indeed does get to embody — and experience — futurity and who as a result will be cast off as the collateral damages of such strivings to capture the essence of the future.96

Die intensiven Auseinandersetzungen um die »belasteten Verhältnisse zur Zukünftigkeit […] in Bezug auf das tägliche Überleben« (vexed relations to futurity […] in terms of quotidian survival)97 und die Notwendigkeit, sich in normative, binäre Geschlechterrollen und -bilder einzupassen, verweist dementsprechend auf die (Un)Möglichkeit, in einer Gegenwart oder Zukunft überhaupt als trans* (politisch) sichtbar zu werden. Für viele ist gerade eine gewisse Unsichtbarkeit als trans* die einzige Chance, überhaupt eine mögliche Zukunft entwerfen zu können.

Die Annahme, Sichtbarkeit sei emanzipationspolitisch uneingeschränkt begrüßenswert, da dies ein erster Schritt zu gesellschaftlicher Anerkennung, politischer Einflussnahme und gesetzlicher Gleichstellung sei, greift in ihrer Pauschalität folglich zu kurz. Sie missachtet, dass die Risiken für diesen Einsatz von Sichtbarkeit ungleich verteilt sind. Mit Puar lässt sich schlussfolgern, dass die Möglichkeit, überhaupt in Zukunft (über)leben zu können, für Schwarze trans* Personen und trans* Personen of Color wahrscheinlicher wird, je unauffälliger der bereits rassistisch als anders markierte Körper zumindest hinsichtlich der Vergeschlechtlichung binäre Erwartungen erfüllt. Dies wird zumeist über die Hormonbehandlung, aber auch über operative Angleichungen des vergeschlechtlichten Körpers angestrebt. Dass derartige Maßnahmen zur Verfügung stehen, heißt jedoch nicht, dass deren Inanspruchnahme eine rein freiwillige Entscheidung der Einzelnen wäre, denn Gefährdungen durch (Un)Sichtbarkeit unterliegen nicht der eigenen Verfügungsmacht. Der trans* Aktivist Jamison Green bringt die Prekarität einer (Un)Sichtbarkeit als weißer trans* Mann folgendermaßen auf den Punkt: »If we are visible we risk being mistreated; if we are invisible, no one will understand what our social or medical needs are. If we are visible, we risk being judged inferior or unreal, inauthentic; if we are invisible, we risk being discovered and cast out«.98 Green berücksichtigt dabei jedoch nicht, wie dieses »Dilemma der Sichtbarkeit« (visibility dilemma)99 trans* Personen of Color oder Schwarze trans* Personen in besonderer Weise vulnerabel macht, da er Diskriminierungen in Bezug auf Race und Geschlecht als miteinander konkurrierend rahmt.100

Der Schwarze Schüler Blake Brockington wird 2014 als erster trans* Jugendlicher Homecoming King an einer US-amerikanischen Highschool, erfährt daraufhin breite mediale Aufmerksamkeit und wird im Zuge dessen auch zum Ziel von Hate Speech und Mobbing. Ein Jahr später stirbt er bei einem Unfall, der als Suizid vermutet wird. C. Riley Snorton interpretiert die von Brockington erfahrene Ausgrenzung und verbale Gewalt als Ausdruck einer konstitutiven Verwebung von anti-trans* Diskriminierung und anti-Schwarzem Rassismus, in der die erzwungene Sichtbarkeit machtvolle Effekte gezeitigt hat. In einem Interview gibt Brockington die Reaktion seiner Familie auf sein Trans*sein wieder: »They think, ›You’re already black, why would you want to draw more attention to yourself?‹«”101 Snorton spezifiziert diese Form von Aufmerksamkeit (attention) als Ausdruck von strukturellem Rassismus ebenso wie Trans*feindlichkeit:

The sensibilities expressed by Brockington’s family, particularly in the use of ›already black,‹ underscore how blackness and transness are tethered in the contemporary landscape in terms of visibility, in which the form of ›attention‹ directed at black and trans people is frequently articulated through policies, such as House Bill 2 (HB2), which passed on the one-year anniversary of Brockington’s death, on March 23, 2016.102

Die erfahrene Aufmerksamkeit ist demnach keine wertschätzende Anerkennung, sondern eine Regulierung durch politische Richtlinien und polizeiliche Kontrollen.

Die von itsGOTtobegroovy in den beiden beschriebenen Videos geschilderten Situationen bilden ebenfalls diese Verschränkung ab. Der Wunsch und die Bemühungen im Alltag unzweifelhaft als Mann erkannt zu werden, eben nicht als trans* sichtbar zu sein, manifestiert folglich nicht zwangsläufig eine affirmative Einfügung in ein hierarchisches Zweigeschlechtersystem. Die vermeintliche Wahl, sich geschlechtlichen Normen anzupassen oder sie zu unterlaufen, ist für Schwarze trans* Personen mit einem höheren Einsatz verbunden heraus, insofern ihre Sichtbarkeit und die ihnen damit zuteilwerdende Aufmerksamkeit stets auch mit Bedrohung und Prekarisierung einhergeht. Trans* zu sein und als trans* sichtbar sein zu können oder zu wollen, lässt sich demnach nicht allein durch den Gegensatz von Strategien der Anpassung oder der Widerständigkeit beschreiben. Zudem machen itsGOTtobegroovys Erfahrungen auch deutlich, dass das Erfüllen von Geschlechternormen im Sinne des Passing gerade keine Garantie dafür ist, eine sichere Zukunft zu haben: Er wird diskriminiert, gerade weil er eindeutig als Schwarzer junger Mann erkannt wird.

Wenn ich also in den hier vorgenommenen Analysen ein queeres Potenzial medial-hormoneller Zeitlichkeiten herausstelle, kann damit weder eine geschlechtlich subversive Strategie romantisiert noch eine scheinbare Assimilation an Geschlechternormen als Vorwurf formuliert werden. Ich verstehe die queere Zeitlichkeit der trans* Vlogs vielmehr als Möglichkeit eines Werdens, dessen (un)mögliche Zukünftigkeiten zu spezifischen Vulnerabilitäten und Ungewissheiten in Beziehung stehen. Entwürfe in eine Zukünftigkeit erwachsen aus einem komplexen Verhältnis zu Bezugnahmen auf Vergangenheit. Wenn itsGOTtobegroovy beschreibt, wie sein Bart wächst, und wie er nun – zwar erwartet anders, aber unerwartet härter – rassistisch diskriminiert wird, stellt dies keinen kausalen Zusammenhang her, sondern verweist auf die komplexen Strukturen einer rassistischen Gesellschaft, in der das Auftreten als trans* Person einerseits, aber auch das Erkanntwerden als männlich und Schwarz andererseits (und/oder gleichzeitig) die Korridore möglicher Zukünfte verengen oder sogar gänzlich negieren. Insofern es in diesen Update-Vlogs somit auch um die temporär ungleiche Verteilung von Schmerz in einem nicht allein körperlichen Sinne geht, justieren sie nicht nur abstrakte Zeitlichkeiten, sondern sehr konkret auch »körperliche Mikrotemporalitäten« (the body’s microtemporalities)103 als Ausdruck der Notwendigkeit, sich stets in Verhandlung mit auch schmerzhaften Vergangenheiten zu befinden. Zugleich zeigt sich ein Potenzial, dem Schmerz durch Unterbrechung dieser Zusammenhänge auch Widerständiges abringen zu können. Der Vlog thematisiert die schmerzhafte Erfahrung rassistischer Anfeindungen, vollzieht die Einschreibung in ein Archiv von Sichtbarkeiten, die als koloniale Machttechniken fungieren und eröffnet gleichzeitig auch die Aneignung und Umarbeitung dieser Techniken und Archive.

Das dominante Narrativ sieht für eine Geschlechtsangleichung schon vor dem Upload des ersten Videos ein verbindliches Skript vor: vom scheinbar ursprünglichen Leidensdruck zum Coming-out über psychotherapeutische Begleitung und Hormontherapie und schließlich zur Euphorie darüber, in einem passenderen Leben angekommen zu sein. Doch in Realität kennt eine Transition keinen genauen Anfang und auch ihr Ende bleibt zwangsläufig immer ein offenes. Es kann immer ein nächstes Update-Video geben – mitunter selbst nach sechs Jahren Inaktivität auf einem Kanal.104 Zugleich ist die Ungewissheit darüber, ob es tatsächlich ein nächstes Update gibt, Bestandteil und Effekt der Rhythmen der Transition und ihrer Medien sowie deren Verschränkung mit rassifizierten Vergeschlechtlichungen. Wird eine Weile lang kein neues Video hochgeladen und hat der Vlogger eine Pause für die Online-Aktivität nicht angekündigt, entstehen auch auf Seiten der Follower_innen Ungewissheiten darüber, wie es dem Vlogger in der Zwischenzeit wohl ergangen sein mag, ob ihm etwas zugestoßen ist, ob er noch immer Testosteron nimmt oder ob er überhaupt noch, vielleicht auf einer anderen Plattform, als trans* öffentlich sichtbar ist.

Mit Rücksicht auf diese Ungewissheiten lässt sich die Praktik des trans* Vloggens sowie die Bewertung und Beschreibung von Testosteron und dessen Zuführung in diesem Zusammenhang medienwissenschaftlich differenzierter fassen. Nicht allein Medien und Geschlecht stehen in einem wechselseitigen Verhältnis gegenseitiger Hervorbringung. Eine Analyse der reziproken und dabei aber nicht nachträglich, sondern stets gleichzeitig verlaufenden Durchdringung ist auch unter besonderer Berücksichtigung von Race vorzunehmen. Wie ich in diesem Kapitel verdeutlicht habe, meine ich damit keine repräsentationspolitisch argumentierte Sichtbarkeit von People of Color und Schwarzen Vloggern auf YouTube. Vielmehr geht es um die ermöglichten wie auch verunmöglichten Zeitlichkeiten. Denn wie itsGOTtobegroovy am Ende von Living with racism in Black FTM transition [CC] – und ganz im Gegensatz zu der im vorangegangenen Kapitel besprochenen optimistischen Haltung des weißen Vloggers gorillashrimp – anmerkt: »I wish I could say it gets better but it doesn’t«. Sein Wunsch erinnert an das von Dan Savage 2010 angestoßene Online-Projekt It Gets Better, das von Diskriminierung und/oder Suizidgedanken betroffenen LGBTQI-Jugendlichen die Gewissheit einer positiven Zukunft versprechen und darüber Mut machen möchte. Doch eine solche Gewissheit kann, wenn überhaupt, nur für weiße Jugendliche mit einer gewissen Selbstverständlichkeit imaginiert werden.105 Wo die geschlechtliche Transition mit Testosteron und dem Vloggen auf einer digitalen Plattform schon zu einem Wagnis mit vielen zeitlichen Unbekannten wird, bricht diese Ungewissheit mit der Berücksichtigung von Race in noch differenziertere (Un)Möglichkeiten auf.

Schwarze trans* Zukünftigkeiten

Hashtags wie #BlackLivesMatter oder #ThisIsWhatTransLooksLike gehören nicht unmittelbar zur Funktionalität von YouTube. Für die Betrachtung von Zeitlichkeit einer mit Testosteron begonnenen (rassifiziert) geschlechtlichen Transition bilden sie jedoch eine mediale wie politische Umgebung. Die Hashtags entstehen in Beziehung zu spezifischen Historien und Genealogien. Dabei verweisen sie nicht nur auf vergangene oder gegenwärtige Geschichte, die zumeist geprägt ist vom Kampf gegen Gewalt, Unterdrückung, Missachtung und Diskriminierung. Als Bewegungsgeschichte verstanden schließt diese Historie in der Bezugnahme auf Vergangenheit und für die Um/Gestaltung einer Gegenwart stets auch die Frage nach der Notwendigkeit wenigstens provisorischen Zukunftsentwürfe mit ein. Dies haben schwullesbische, queere und Schwarze Bürger_innenrechtsbewegungen gemeinsam; Zukünftigkeit ist ein entscheidendes Element theoretischer Auseinandersetzungen um die Frage des eigenen Über/Lebens. Der jeweils beanspruchte oder hergestellte Zusammenhang von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist dabei weder arbiträr noch zwangsläufig kausallinear. Wie Keeling pointiert herausstellt, produziert eine post/koloniale Zeitlichkeit, folgt man Fanon, für ein Schwarzes Selbst stets einen gewaltvollen Zirkel, der seit dem transatlantischen Sklavenhandel keine Zukunft ermöglicht, die anders sein könnte als die gewaltvolle koloniale Vergangenheit:

The temporality of the colonial world thus shackles life to the past as a way of rationalizing colonial existence. Fanon characterizes colonial temporality in terms of a ›hellish cycle‹ or an ›infernal circle‹ wherein the past overwhelms the present at the expense of movement toward a future that might be different from the past.106

Aus dieser zirkulären Zeitlichkeit gibt es aus Schwarzer Perspektive laut Fanon kein Entrinnen, denn jede Selbstkonstitution ist zwangsläufig an die Instituierung durch den Weißen gebunden und darüber permanent (wieder und wieder) historisch fixiert:

As a part of this closed cycle, the Black’s Black body i.e., the visible evidence of his Blackness becomes the ground for the production of what Fanon calls a ›historical-racial schema‹ that complicates ›the development of his bodily schema‹ in such a way that the constitution of a self proceeds via interaction with not only other objects but also with the ›thousands of details, anecdotes, stories‹ out of which ›the Black‹ has been woven by the White man. The Black therefore exists as a collective subject whose governing fiction is not personal but social.107

Insofern der Schwarze Körper immer schon als dem Weißsein untergeordnet angesehen wird, bleibt nach Fanon selbst die Auflehnung gegen diese Gewalt Bestandteil einer solchen Projektion. Die Trope des angry black man verdeutlicht dies. Schwarze Männlichkeit wird damit per se als bedrohlich und unangemessen affektiv im Sinne von gewalttätig, wütend und körperlich übergriffig figuriert, kurz, als Gegenbild zu weißer ›Zivilisiertheit‹. An der Sequenz im Nachtsichtmodus von itsGOTtobegroovys Video verdichten sich solche von Keeling mit Fanon angeführten Anekdoten, Geschichten und visuellen Repräsentationen; der Vlogger erfährt seine Selbst- und Körperwahrnehmung als unauflöslich mit diesen Projektionen verbunden, sodass seine Selbstkonstitution sich zwangsläufig in die (visuellen) Archive eben dieser vermeintlich bedrohlichen Schwarzen Männlichkeit einschreibt. Gleichzeitig produziert genau diese affektiv aufgeladene Praktik der Selbstkonstitution auch ein widerständiges Moment, worauf ich im folgenden Kapitel genauer eingehen werde.

Anekdote und Geschichte sind euphemistische Begriffe angesichts der für itsGOTtobegroovy herablassenden und gewaltvollen alltäglichen Konfrontationen: Autos werden verriegelt, wenn er vorübergeht, »wo ich doch so Schwarz bin, man kann nie wissen« (me being so black and all, you never know);108 man traut ihm nicht zu, eine Schulausbildung abgeschlossen zu haben; fremde (weiße) Männer erlauben sich pubertäre Späße mit ihm, um dann mit einem »Oh, ich mach’ nur Spaß, Bruder‹« (Oh, I’m just kiddin’, bro)109 den Arm um ihn zu legen und damit auch körperliche Grenzen zu überschreiten; ein anderer (weißer) Mann bremst ihn auf dem Campus absichtlich mit dem Fahrrad aus.110 »Das könnte einen leicht in den Wahnsinn treiben – besonders wegen der starren Blicke« (This could easily drive someone crazy – especially with the stares).111 In jedem Fall machen diese rassistischen Übergriffe, wenn nicht verrückt, so aber auf jeden Fall wütend, wie itsGOTtobegroovy äußert:

The past couple of months have just – as I've been read more and more as male […] I am getting really angry a lot of the time, over how my interactions with people are going or how I'm treated based on my being a black man or – and being read as a black man.112

Und gegen Ende des Videos erklärt er noch einmal die rassistische Strategie einer medial hergestellten sich selbsterfüllenden Prophezeiung:

I’ve been keeping my anger in, a lot, you know, over the past few months, about this stuff. It is really gettin’ in to my, like I just wanna go off sometimes on people. And I don’t, obviously, cause then I’ll be that black guy on television who are off on some poor white person.113

Fanon beschreibt diesen Unterdrückungsmechanismus als »Teufelskreis« [hellish cycle]114 neo/kolonialer Zeitlichkeit. Die empfundene Wut über die rassistischen Zuschreibungen und Übergriffe wäre, selbst wenn sie öffentlich geäußert würde, wenn sie, in Fanons Worten, zu einer physischen oder verbalen ›Explosion‹ führen würde, nicht in der Lage, die ihr zugrunde liegenden Unterdrückungsmechanismen zu unterbrechen. Die temporale Schleife der permanenten Rückbindung an die Kolonisierung ist zu stark.115 Dem wütenden Schwarzen ist darin eine widerständige Handlungsmacht genommen, insofern er als wütend und Schwarz im Stereotyp des angry black man stets schon medial vorweggenommen wurde. Dieses Stereotyp ist als Effekt der Kolonisierung entworfen und als solches kolonial fixiert – in Anekdoten und Geschichten ebenso wie in Bildern, die man von diesem Schwarzen Typen aus dem Fernsehen, wie itsGOTtobegroovy es ausdrückt, und seit den 2000er Jahren eben auch aus digitalen Medien kennt.

Schwarze Männlichkeit wird in den Videos von itsGOTtobegroovy ebenso durch das Testosteron und die selbstdokumentarische Praktik hervorgebracht wie durch den Kontext dieser visuellen Archive, die Erwartungshaltungen produzieren, die itsGOTtobegroovy vergeblich zu brechen versucht. Auch in einem späteren Video, das er fünf Jahre nach dem ersten hier besprochenen, damit zu einem Höhepunkt der Black Lives Matter-Bewegung hochlädt und das den Titel Living with racism in Black FTM transition [CC] trägt,116 halten diese Selbstregulierungen und -beobachtungen bei ihm an:

I do think that black men are seen as aggressive, as predators – I think in a way that other men aren’t. Blackness as a whole is stigmatized and we are all socialized into a society that stigmatizes and penalizes blackness. Another behavior change for me since beginning my transition was sort of monitoring my responses to certain things so that I’m not seen as ›angry black man‹.117

Ebenfalls ausgehend von Fanon beschreibt Judith Butler diese Zurichtung des Schwarzen männlichen Körpers als Medieneffekt weißer Überlegenheitsphantasien (white supremacy). Am Beispiel des Videos von der Polizeigewalt gegen Rodney King 1991 umreißt Butler die Wirkung eines »von Rassifizierung gesättigten Bereich der Sichtbarkeit« (racially saturated field of visibility),118 in welchem »der Schwarze männliche Körper bereits vor der Existenz eines Videos Ort und Ursprung von Gefahr und Bedrohung ist«.119 Indem folglich die affektive Auflehnung innerhalb dieses auch visuell rassistisch strukturierten Verhältnisses die ihr vorausgehenden Anekdoten und Narrative scheinbar lediglich bestätigt und fortsetzt, ist keine Zukunft denkbar, die die Möglichkeit bereithalten könnte, von diesem gewaltvollen Unterworfensein abzuweichen.

A colonized and civilized society marks a condition of existence in which the Black’s being is precluded by his perceptible ›Blackness‹ because past images, stories, etc., constantly overwhelm perceptions of his present. Under these circumstances, for the Black, the present is simply affect; the present is a sensory perception that is the arrested action of the past on the present.120

Während bei Fanon eine gegenwärtige affektive Entladung, die Explosion der Stillstellung von Schwarzer Lebensweise, einer gewaltvollen Vergangenheit nicht entkommen kann, sieht Keeling gerade in dieser Suspendierung von Aktion eine Möglichkeit, den temporalen Zirkel zu unterbrechen. Wenn die Schwarze Person schon damit rechnet, mit dem kolonialen Erbe der Repräsentation konfrontiert, d.h. in sozialen Interaktionen entsprechend beäugt, untersucht und beurteilt zu werden, entsteht ein Moment der Ungewissheit über den Ausgang dieser Begegnung: »eine Zeit, die voller Möglichkeiten und, weniger wahrnehmbar, aber nicht weniger unmittelbar, Unmöglichkeiten steckt«.121 Für diesen Augenblick, Keeling bezeichnet ihn als ein Intervall, ist der Teufelskreis einer alles überlagernden und einnehmenden Vergangenheit suspendiert und für eine dekolonisierte Zukunft als wenigstens unmögliche Möglichkeit hin geöffnet.122

Diese Unterbrechung formuliert Keeling anhand einer von Fanon geschilderten Erfahrung als Filmzuschauer. Genauer gesagt, untersucht Keeling den affektiven Überschuss einer filmischen Rezeption, die eine zuvor im Kollektiv des anwesenden Publikums im Kinosaal entstandene Erwartungshaltung aufgreift. Die von Keeling vorgenommene Problematisierung der Situation im Kinosaal zielt darauf ab, »die durch Bilder sichtbar gemachten sozio-ökonomischen und raum-zeitlichen Konfigurationen« nachzuvollziehen.123 Der Affekt wird hierbei als Produkt der raumzeitlichen Anordnung einer neo/kolonialen Gegenwart beschrieben und in Auseinandersetzung mit der filmischen Repräsentation als Bestandteil einer spezifischen Zeitlichkeit erfahrbar.

Die Beobachtung eines affektiven Überschusses, den Keeling für das Kinoerleben feststellt, lässt sich sowohl in den Videos von itsGOTtobegroovy als auch in dem von gorillashrimp und denen weiterer trans* Vlogger machen. Doch muss das Verhältnis von Affekt und medialer Anordnung für die Vlogs im Vergleich zu Keelings Problematisierung der Repräsentation anders bestimmt werden. In den Vlogs dokumentiert sich kein Überschuss an Affekten, der diesen Videos vorgängig wäre. Vielmehr ist es, wie in den vorherigen Kapiteln herausgearbeitet, die Praktik der Selbstdokumentation in und mit den Vlogs, die Affekte während und mit der Transition überhaupt hervorbringt. Insofern ist Keelings Analyse zur Potenzialität des Intervalls für die trans* Vlogs dahingehend zu erweitern, dass die Möglichkeit einer alternativen Zukunft für Schwarze trans* Vlogger als Effekt eines affektiven Überschusses konstitutiv mit dem medialen Gefüge verwoben ist. Die Möglichkeit entsteht im medialen Gefüge, sie wird nicht lediglich durch dieses erkennbar. Statt die affektive Dimension einer Repräsentation sowie ihrer Rezeption als Anlass der Entstehung eines Intervalls zu sehen, wie Keeling es macht, fasse ich Affekte der Vlogs als Medieneffekte auf, die wiederum in die mediale Anordnung hinein zurückwirken. Sowohl Intervall als auch wechselseitige Konstitution bewirken aber, hierin liegt die Ähnlichkeit, eine zu Handlungsfähigkeit ermächtigende Zeitlichkeit.

Insbesondere die Annahme, dass, wie Keeling mit Fanon schreibt, der/die Schwarze in neo/kolonialen Gesellschaften als kollektives Subjekt existiere, eröffnet für die Untersuchung der trans* Vlogs eine gewinnbringende Perspektive. Die Feststellung eines kollektiven Subjekts wirft im Verhältnis zu einer sozial-medialen Plattform (wie z. B. YouTube) die Frage nach der Herstellung eines Kollektivs Schwarzer Vlogger und ihrer Follower_innen durch die Praktik des Vloggens auf. Mit dem Hinweis auf ein Kollektiv ziele ich nicht auf eine Ent-Individualisierung Schwarzer Subjektivierung, sondern möchte die Politisierung von Affekten und Zeitlichkeiten beschreibbar machen, die sich über die Kollektivierung von Erfahrungen in und mit den Update-Videos vollzieht.

Keeling konzipiert das Intervall als eine zeitliche Unterbrechung, innerhalb derer gewisse Erwartungen in den Vordergrund treten, deren Erfüllung jedoch vorerst aufgeschoben ist, sodass die mögliche Unmöglichkeit abweichender Eintrittsformen aufscheint. Dieses Konzept des Aufschubs und der Möglichkeit eines Ausbruchs bietet sich für eine Untersuchung der Transition mit Testosteron an, die rassifizierte Effekte explizit berücksichtigen kann. Auch in den trans* Vlogs sind alle Beteiligten, Vlogger wie Zuschauer_innen, stets mit Erwartungshaltungen konfrontiert, die sich einerseits vehement wiederholen und manifestieren wie andererseits ihr tatsächliches Eintreten unsicher und unbestimmt bleibt. Diese Ungewissheiten habe ich im ersten Kapitel als ein queeres Potenzial des Testosterons im Kontext der trans* Vlogs interpretiert und verdeutliche hier im zweiten Kapitel, dass die Berücksichtigung rassistischer Erfahrungen sowohl unterschiedliche Chancen als auch Risiken birgt.

Die zumindest temporäre Durchkreuzung heteronormativer Geschlechtervorstellungen und der mit ihnen verbundenen und durch sie stabilisierten linearen Zeitlichkeiten der (familiären) Reproduktion, der Kohärenz von Identität sowie Stabilität der Nation eröffnet ein Versprechen möglicher Zukünftigkeit, in der ungewisse Lebensweisen intelligibel und lustvoll lebbar werden könnten, die heteronormativen Stabilisierungen widersprechen. gorillashrimp freut sich über die mit dem Wirken von Testosteron in Verbindung gebrachten Veränderungen seines Körpers nicht trotz der Unsicherheiten dieses Prozesses, sondern der Vlog ermöglicht es ihm, Ungewissheiten zu affirmieren und damit ein lebbares Trans*sein zu erfahren, das nicht an die Einhaltung medizinischer Protokolle und die Erfüllung statistischer Normwerte gebunden ist. Mit den Videos von itsGOTtobegroovy ist deutlich geworden, dass nicht alle trans* Vlogger diesen strukturellen Optimismus teilen können, insofern die beschriebenen Zeitlichkeitseffekte von trans* Geschlechtlichkeit stets auch als Effekte rassifizierter Geschlechtlichkeit begriffen werden müssen.

Entsprechend kann für die Analyse der trans* Vlogs das Konzept des Intervalls, verstanden als Medieneffekt, als Einstieg dienen, um die rassistische Zurichtung von Zeitlichkeiten mit der ausdrücklichen Berücksichtigung von Geschlecht zu verbinden.124 Das beschriebene queere Potenzial des Testosterons und der Vlogs begrenzt sich damit nicht auf ein Projekt weißer trans* Männlichkeiten. Doch die affektiven Aufladungen entfalten unterschiedliche Effekte und Bedeutungen für verschieden geschlechtlich-rassifizierte Subjektivierungen, sodass queere Politisierungen nicht pauschal als Eigenschaft der Vlogs festgehalten werden können.

itsGOTtobegroovys Videos verdeutlichen, wie Erfahrungen von Rassismus in alltäglichen Begegnungen ebenso wie in technischen Umgebungen den trans* Diskurs erweitern und die Perspektive auf Zeitlichkeiten der trans* Vlogs kaleidoskopisch vervielfachen. Die rassifizierte Segregation von Wohnraum in Nachbarschaften hängt mit diesen Zeitlichkeiten ebenso zusammen wie die rassifizierte Segregation digitaler Inhalte auf YouTube wie auch die Ambivalenz einer Sichtbarkeit auf Plattformen und in weiteren Öffentlichkeiten, die zur Hypervisibilität wird. Offen ist jedoch weiterhin die Frage, ob in diesen gesellschaftlichen und technischen Zusammenhängen, die durch Unterdrückung, Ausschluss, Verwerfung und Gewalt geprägt sind, für trans* Personen of Color oder Schwarze trans* Personen die Frage nach Zeitlichkeit überhaupt eine Perspektive auf eine mögliche Zukunft bereithalten kann.

Wenn der ›angry black man‹ in seinem Aufbegehren gegen unterdrückende Mechanismen immer schon darin selbst mitgedacht und bereits vorweggenommen ist, sind dann nicht auch die Videos von itsGOTtobegroovy, in denen er sich wiederholt über rassistische Übergriffe ärgert und seine Wut in diesen Situationen artikuliert, in ihren Update-Rhythmen und Wiederholungen dem Teufelskreis kolonialer Zeitlichkeit unterworfen, die zudem, das sei an dieser Stelle ergänzt, immer auch eine heteronormative Zeitlichkeit bedeutet? Unterliegt seine Schwarze Männlichkeit damit restriktiveren Werdensprozessen als es zum Beispiel die jubilatorische Männlichkeit von gorillashrimp als einer weißen ist und erweist sich das queere Potenzial von Testosteron in den Vlogs damit als blind für diese Verschränkungen von Race und Männlichkeiten?

Ich komme noch einmal zu dem Ausschnitt des Videos Week 40 on T: Racism as a Black FTM von itsGOTtobegroovy zurück, den ich als Dreh- und Angelpunkt für eine Durchdringung ausgemacht habe: den Einsatz des Nachtsichtmodus und die darauf folgende Thematisierung von Rassismus, mit dem itsGOTtobegroovy anders und stärker konfrontiert ist, seit er regelmäßig als Mann erkannt wird.

Männlichkeit bedeutet für ihn persönlich nicht nur eine Errungenschaft, eine mit Freude verbundene Attribution und Identifikation, wie es sonst für viele andere – und damit meine ich die Mehrzahl weißer – trans* Vlogger gilt. Seine Schwarze Männlichkeit wird als Bedrohung wahrgenommen, seinem Körper gilt die Aufmerksamkeit einer von rassistischen Vorurteilen geprägten Nachbarschaft und die Hypervisibilität seines Körpers in einem rassifizierten Feld der Sichtbarkeit geht einher mit einer hartnäckigen Zuschreibung, die sein Auftreten im öffentlichen Raum grundsätzlich als aggressiv bewertet, sobald er auf diese Verhältnisse aufmerksam macht. Seine Schwarze Männlichkeit ist dabei permanent der Gefahr ausgesetzt, lediglich über das Stereotyp des angry black man intelligibel zu werden. Dessen ist sich itsGOTtobegroovy bewusst, wie er in vielen seinen Videos thematisiert, und es macht ihn in der Tat wütend, immer wieder und beinahe alltäglich auf diese oder andere Weisen rassistisch angegriffen zu werden. Doch diese Wut ist nicht, wie ich zeigen möchte, allein eine Bestätigung für die bzw. Fortsetzung der von Fanon so beschriebenen kolonialen Zeitlichkeit des Teufelskreises, der keinen Ausweg aus diesen Adressierungen, Geschichten und Bildern zu erlauben scheint. Indem sich in der medialen Anordnung des trans* Vlogs ein Intervall eröffnet, kommt es zu einer Politisierung der affektiven Dimension der Wut. Wie ist diese Politisierung zu verstehen? Kann sie Bilder, Geschichten und Stereotype wie die Trope des angry black man erfassen? Kann deren hartnäckige Bindung an die Subjektivierung Schwarzer Männlichkeit aufgebrochen werden?

Die von itsGOTtobegroovy geschilderten rassistischen Übergriffe lassen sich mit Judith Butler als Erfahrungen verletzender Rede charakterisieren. In der Adressierung des Subjekts legen sie dieses nicht nur fest, sondern erniedrigen es zudem. In der Performativität hasserfüllter Sprechakte entstehen aber auch Widerständigkeiten, wie Butler aufzeigt:

Doch enthält der Name auch eine andere Möglichkeit, da man durch die Benennung auch eine bestimmte Möglichkeit der gesellschaftlichen Existenz erhält und erst in ein zeitliches Leben der Sprache eingeführt wird, das die ursprünglichen Absichten, die der Namensgebung zugrunde lagen, übersteigt. Während also die verletzende Anrede ihren Adressaten scheinbar nur festschreibt und lähmt, kann sie ebenso eine unerwartete, ermächtigende Antwort hervorrufen. Denn wenn ›angesprochen werden‹ eine Anrufung bedeutet, dann läuft die verletzende Anrede Gefahr, ein Subjekt in das Sprechen einzuführen, das nun seinerseits die Sprache gebraucht, um der verletzenden Benennung entgegenzutreten.125

Der performative Charakter der Sprache riskiert, dass das, was als Verwerfung geäußert wird, fehlangeeignet werden kann.126 Ich frage mich, ob itsGOTtobegroovy eine solche Fehlaneignung deshalb nicht leistet, weil das rassistische Geschehen sich nicht ausschließlich auf sprachlicher, sondern auch auf visueller und körperlicher Ebene vollzieht. Weitere Autor_innen haben Butlers Überlegungen zur Funktionsweise rassistischer Hassrede explizit auf visuelle Anrufungen übertragen und um den Aspekt der Traumatisierung ergänzt. So führt Saidiya Hartmann anhand einer von Frederick Douglass geschilderten Szene traumatisierender visueller Zeugenschaft von Gewalt aus, wie auch visuelle Eindrücke Subjektivierungen produzieren, die den sprachlichen äquivalent sind:

Douglass establishes the centrality of violence to the making of the slave and identifies it as an original generative act equivalent to the statement ›I was born.‹ The passage through the blood-stained gate is an inaugural moment in the formation of the enslaved. In this regard, it is a primal scene. By this I mean that the terrible spectacle dramatizes the origin of the subject and demonstrates that to be a slave is to be under the brutal power and authority of another […].127

Diese Erfahrungen der Subjektkonstituierung durch traumatisierende Spektakel und ihre unterschiedlich mediatisierten Erinnerungen bilden Archive kolonialer und rassistischer Gewalt gegen Schwarze. Es sind eben diese Archive, die sich gegenwärtig fortsetzen und in die itsGOTtobegroovys Videos intervenieren. Wenn er seinen Körper im Bild der Kamera auf seinem Bildschirm als den Körper des rassifizierten Anderen wahrnimmt, der innerhalb eines spezifischen visuellen Regimes als Bedrohung hergestellt wird, vollzieht sich darin eine Anrufung, die sowohl verwirft, insofern er vom Stereotyp sprachlich wie bildlich rassistisch adressiert wird, als auch in der spezifischen Anordnung des trans* Vlogs begehrt wird.

Ein solch paradoxes Begehren nach der Anrufung, die in spezifischer Weise Gewalt und Unterdrückung vollzieht, beschreibt Preciado als notwendige Voraussetzung einer handlungsmächtigen Selbstbestimmung als trans* Person:

Die ontologisch-politische Dichte eines Trans- oder Migrantenkörpers ist geringer als die eines Bürgers, dessen Geschlecht und Staatsangehörigkeit von den behördlichen Konventionen ihres Nationalstaates anerkannt werden. Mit Althusser könnte man sagen, dass Trans-Menschen und Migrierte paradoxerweise darum bitten müssen, als Subjekte vom ideologischen Apparat eben jenes Staates angesprochen zu werden, der sie ausschließt. Wir bitten um Anerkennung (und damit um Unterjochung), damit wir daraufhin Handlungsmacht erlangen und anderen Formen der Subjektivierung erfinden können.128

Indem Preciado dabei jedoch den trans* Körper sprachlich neben dem rassistisch markierten Migrantenkörper positioniert, gerät aus dem Blick, wie sich die Rassifizierung von Geschlecht (auch) auf einen trans* Körper auswirkt. Gerade die von itsGOTtobegroovy geschilderten Erfahrungen werfen die Frage auf, worin sich der von Butler formulierte Wunsch nach Anerkennung bzw. die von Preciado artikulierte Bitte um Anerkennung durch den Staat eigentlich begründen soll? Denn für Schwarze Personen bedeutet die Anrufung durch den Staat bzw. das Reagieren auf die Anrufung, staatlicher Gewalt und nicht selten sogar tödlicher Polizeigewalt ausgesetzt zu sein.129

Mit dem Blick auf die Zeitlichkeiten der trans* Vlogs wird deutlich, dass es eben auch das in eine Transition eingeschrieben Versprechen, so unsicher und ungewiss seine Einlösung auch sein mag, auf die Option einer Zukünftigkeit ist, die das Begehren bedingt. Es ist ein Begehren nach Zukünftigkeit, nicht ein Begehren nach Anrufung oder staatlicher Anerkennung. Es ist die Möglichkeit einer Zukunft, die sich in einem Wird-geworden-Sein des Subjekts manifestiert. Das Begehren danach ist ambivalent, weil es stets auch lebensbedrohliche Gewalterfahrungen bedeuten kann. Diese Ambivalenz ist verbunden mit der (Un)Sichtbarkeit, die, wie ich mit Keeling beschrieben habe, eine Teilhabe an den Auseinandersetzungen um Hegemonie ermöglicht, gleichzeitig aber unterschiedlich verteilte Risiken birgt.

Mit fortschreitendem Verlauf seiner Transition wird itsGOTtobegroovy immer öfter als männlicher Schwarzer erkannt und damit in Archive eingeschrieben, die die rassistischen Diskurse und visuellen Repräsentationen Schwarzer Männlichkeiten prägen und weiter sedimentieren. Mit seinen Update-Videos trägt er jedoch auch zur Umgestaltung dieser Archive bei, indem er diese Zuschreibungen in einer Weise aneignet, die Schwarze trans* Männlichkeit generiert, und er über den Rassismus spricht, der in diesen Prozess einfließt. Entsprechend heißt es im Titel des Videos: als Schwarzer FtM (as a Black FTM).130 So fügen sich seine Videos einerseits in ein trans* Archiv ein, das sich auch durch die bisher besprochenen Videos weißer Vlogger und die mit diesen Vlogs verbundenen Begehren und Wünsche, Hindernisse, Zweifel und Rückschläge herstellt. Dabei erzeugt es andererseits und im Gegensatz zu den Videos von beispielsweise gorillashrimp und Jammidodger jedoch nicht vornehmlich Resonanzen mit einer trans* Community, die in ihrem Weißsein unmarkiert bleibt, als vielmehr mit einer Schwarzen Community. Viele der Kommentare unter diesem wie auch vielen seiner anderen Videos zeigen, wie die Äußerung und Veröffentlichung seiner eigenen Erfahrungen für andere User_innen Anlass bieten, sie ins Verhältnis zur eigenen rassistisch geprägten Lebenswirklichkeit zu setzen.131 In den Vordergrund treten statt der persönlichen Verletzungen durch diese Angriffe geteilte Erfahrungen, die Solidarisierungen und Kollektivität aufgrund affektiver Verbindungen ermöglichen.

Fanon schreibt 1956, dass der Schwarze Körper – für Fanon übrigens universal der männliche Schwarze Körper – in der französischen Gesellschaft seiner Gegenwart einzig durch den Affekt eines temporalen Zirkelschlusses zum Ausdruck kommt und intelligibel wird.132 Wie bereits erwähnt, verhindert diese Reduzierung jede Form von handlungsmächtiger Veränderung der unterdrückenden Zustände, was auch Keeling betont:

The hellish cycle wherein the past constricts the present so that the present is simply the (re)appearance of the past, felt as affect, restricts by anticipating in advance the range of the Black's (re)actions to his present experience.133

Für unsere digitale Gegenwart ergeben sich aufgrund medialer Zeitlichkeiten jedoch auch andere Effekte dieser Affizierungen: Statt in der empfundenen Wut isoliert zu sein, bietet das Video in der Reflexion der eigenen Schwarzen Männlichkeit Anknüpfungsmöglichkeiten, die medialen Bedingungen dieser Männlichkeit zu adressieren, und zwar nicht als individuelle Erfahrung, sondern als strukturelle Durchdringungen von Empfindungen, Repräsentationspolitiken und Körperlichkeiten.

In den trans* Vlogs steht die Medialität dieser Männlichkeiten in besonderer Weise im Vordergrund, wiederholen doch die Einsätze der unterschiedlichen medialen Praktiken die vielen trans* Diskursen inhärente Ambivalenz, eine geschlechtliche Wahrhaftigkeit in Anspruch nehmen zu müssen und gleichzeitig die Herstellung von Geschlecht sowohl hormonell wie performativ zu vollziehen. Nicht nur Schwarze und/oder trans* Männlichkeiten treten dabei als materiell-diskursive Effekte hervor. In diesem Zusammenhang wird auch das oftmals als mit universalem Anspruch formierte, tatsächlich aber als weiß und heterosexuell entworfene Konzept Männlichkeit in dieser Spezifik adressierbar. Die Videos der trans* Vlogger treten dabei nicht als vereinzelte Phänomene in den Blick, sondern bilden in ihrer Vielzahl ein Teilarchiv medialer Männlichkeiten.

Genauer gesagt handelt es sich bei den trans* Vlogs um Bestandteile eines affektiven Archivs. Für die Videos von itsGOTtobegroovy gilt dies nicht in erster Linie aus dem offensichtlichen Grund, dass es um Wut geht. Vielmehr ist es die zum Teil auch gegenläufige oder zumindest ambivalente Affizierung der eigenen Schwarzen Männlichkeit, die in ihrer Ungewissheit, Instabilität und ihrer Wahrnehmung als Bedrohung ein affektives Archiv herstellen. Ann Cvetkovich hat dieses Konzept für lesbische und queere Zusammenhänge entworfen: Affekte haben ihrer Auffassung nach eine immer schon auch öffentliche Dimension und sind als solche ebenso an der Herstellung von gemeinsam genutzten Räumen und Weisen der Subjektivierung beteiligt, wie diese nicht unabhängig voneinander betrachtet werden können.134 Archive sind dabei nicht in erster Linie Orte der Sammlung, sondern Praktiken der gemeinsamen Erinnerung, der Bewahrung dessen, was in institutionalisierten Archiven aufgrund seines ephemeren Charakters, seiner geringeschätzten Materialität oder seiner nicht als dokumentarisch etablierten Form nicht als bewahrenswert anerkannt wird. Sie ermöglichen und vollziehen das Erproben eines gemeinsamen Umgangs mit kollektiven Traumata, die ebenfalls keine Anerkennung in institutionalisierten Archivpraktiken finden (können). Das Interesse für ein solches »Wissen von unten« (knowledge from below)135 teilen queertheoretische Ansätze mit Critical-Race-Theorien. In beiden Feldern geht es nicht darum, eine kohärente Gegenerzählung zu etablierten Geschichtsschreibungen zu entwerfen, sondern die Archive und Archivierungsweisen zu verändern.

Die Anerkennung prekarisierter Wissens- und Erinnerungsformen ist, wie Saidiya Hartman feststellt, nicht als Voraussetzung für die Herstellung von radikalen Gegenentwürfen zu dominanten Erzählungen zu verstehen, sondern vielmehr als Aufruhr innerhalb bestehender Erzählungen und Archive.136 Fantasievolle und exzessive Alltagspraktiken können eine solche Widerständigkeit zum Ausdruck bringen:

Everyday practices rather than traditional political activity like the abolition movement, black conventions, the struggle for suffrage, electoral activities, et cetera, are the focus of my examination because I believe that these pedestrian practices illuminate inchoate and utopian expressions of freedom that are not and perhaps cannot be actualized elsewhere. The desires and longings that exceed the frame of civil rights and political emancipation find expression in quotidian acts labeled ›fanciful‹, ›exorbitant,‹ and ›excessive‹ primarily because they express an understanding or imagination of freedom quite at odds with bourgeois expectations.137

Die Selbstdokumentation von trans* Personen auf YouTube ist eine solche Alltagspraktik, deren Produktivität sowohl mit Blick auf einzelne Kanäle wie auch in Rücksicht auf das trans* Vlogging als populäres Phänomen durchaus als exzessiv beschrieben werden kann. Die mit den Vlogs verbundenen Begehren und Sehnsüchte, die mit Hartman als Ausdruck einer Imagination von Freiheit verstanden werden können, sind dabei unter Umständen viel zu widersprüchlich, zu ambivalent und flüchtig, als dass sie sich wirkungsvoll in konkrete politische Forderungen oder ein liberales Verständnis von Freiheit übersetzen ließen. Doch sind die Affekte deswegen nicht weniger bedeutsam für die Betrachtung der Videos, ermöglichen sie gerade in dieser Ambivalenz eine Politisierung ihres Einsatzes.

Indem itsGOTtobegroovy das Video über seine Transition mit Testosteron auf YouTube hochlädt, es anderen User_innen dort zur Verfügung stellt, die wiederum Kommentare hinterlassen, Erfahrungen ergänzen, Mut aussprechen oder Unterstützung und Verständnis signalisieren können, wird die Öffentlichkeit der Affekte expliziert und weiter politisiert. Auch die User_innen werden dabei mit ihren Profilnamen und -bildern sowie den Inhalten und Videos ihrer YouTube-Kanäle oder Google-Konten sichtbar, werden ebenso Bestandteil dieses Archivs oder vielmehr dieser Archive von Männlichkeiten, die die Videos ebenso bedienen, wie sie sich gegen sie stellen und eben jene interne Herausforderung des Archivs bewerkstelligen, die Hartman beschreibt.

itsGOTtobegroovy lädt weiterhin Videos für Updates zu seiner Transition hoch, trotz oder wegen der Rassismen, mit denen er im Alltag permanent konfrontiert ist.138 Schon sein Verharren auf der Plattform selbst und damit in ihrer Öffentlichkeit, lässt sich als politisierte Alltagspraktik verstehen. Im Kontext der Überlegungen zu (un)möglichen Zukünftigkeiten ist dabei vor allem eine auch medial spezifische Eigenheit seiner Selbstdokumentation von besonderer Bedeutung: die Offenheit des YouTube-Kanals, die bedeutet, dass es immer ein nächstes Video geben könnte. Diese Beobachtung gilt zwar grundsätzlich für alle Kanäle in der YouTube-Architektur. Doch bei itsGOTtobegroovy wird diese Offenheit politisiert und bewirkt eine kollektive Ermöglichung des (Über-)Lebens.

itsGOTtobegroovy, und mit ihm auch die User_innen, die affirmativ affektiv an seinen Videos teilhaben, verharrt – so ließe sich mit Keeling sagen – in einem Intervall zu einem un-/möglichen nächsten Video. Dieses Intervall bedeutet, wie schon für die geschlechtliche Transition festgestellt und hier mit Blick auf die rassifizierten Implikationen dieses Prozesses spezifiziert, ein nicht zu unterschätzendes Risiko der Unsicherheit, Ungewissheit und auch Gefahr. Vielleicht wird es keine weiteren Videos von ihm geben, weil er es leid ist oder keine Kraft mehr aufbringen kann/will, über Rassismus zu sprechen; vielleicht weil er durch anhaltende Konfrontationen entmutigt worden ist, sich weiter öffentlich zu äußern, vielleicht weil er einen rassistischen und/oder transfeindlichen Übergriff nicht überlebt hat. Trotz all dieser Ungewissheiten bedeutet die Möglichkeit eines nächsten Videos zumindest einen Haarriss im Teufelskreis der neo/kolonial heteronormativen Zeitlichkeit, die an dieser Stelle brüchig wird und sich auf potenziell (un)mögliche Zukünftigkeiten als Schwarzer trans* Mann hin öffnet.

Notes / Anmerkungen

  1. Dies lässt sich auch darauf zurückführen, dass trans* Diskurse maßgeblich durch einen hegemonial weißen anglo-amerikanischen Sprachraum geprägt sind und ich mit eben diesen Begriffen der Selbstbeschreibung, deren Abkürzungen und weiteren Schlagwörtern suche. Obwohl die Diskurssprache damit eine gewisse Internationalität für sich zu beanspruchen scheint, werden die Suchergebnislisten von englischsprachigen Vloggern, zumeist aus den USA oder Kanada, dominiert. Möchte ich hingegen spezifisch deutschsprachige Vlogs finden, füge ich den Suchbegriffen z. B. ›Transmann‹ hinzu. Doch auch bezüglich Vlogs aus dem deutschsprachigen Raum wiederholt sich die Beobachtung einer deutlichen Mehrheit von Videos weißer Vlogger in den Ergebnislisten der Suche.
  2. Für Richard Dyer sind es insbesondere die (analogen) Medien Fotografie und Film, die maßgeblich an dieser Konstruktion von Weißsein als Qualität des Menschlichen mitwirkten, vgl. Richard Dyer, White: Essays on Race and Culture (London: Routledge, 1997).
  3. Analysen des Zusammenhangs von (digitalen) Technologien und Race sind aus Perspektiven der Critical Race und Black Studies zu finden u. a. bei Safiya Umoja Noble, Algorithms of Oppression: How Search Engines Reinforce Racism (New York: New York University Press, 2018); Wendy Hui Kyong Chun, »Introduction: Race and/as Technology; or, How to Do Things to Race«, Camera Obscura, 70.24 (2009), S. 7–35; Ruha Benjamin, Race after Technology: Abolitionist Tools for the New Jim Code (Cambridge: Polity Press, 2019); Lisa Nakamura, Digitizing Race: Visual Cultures of the Internet (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2008).
  4. Gleichzeitig werde auch ich in der Verarbeitung der Suchanfrage als weißes, mitteleuropäisches User_innen-Subjekt hervorgebracht, denn es ist zumindest anzunehmen, dass die implizite Vorauswahl der Ergebnisse bezüglich Race dabei von meinem weiteren Nutzungsverhalten im Internet beeinflusst und die Hierarchisierung der Ergebnisse nicht statisch in der Architektur der Plattform selbst angelegt ist. Auffällig ist, dass die Suche nach ›ftm+transition‹ mit einem Browser, der die User_innen vor einer Analyse ihres Nutzungsverhaltens schützen soll, vergleichsweise diversere Resultate erzeugt, wobei auch hier unter vielen hundert Ergebnissen beinahe alle Video-Titel auf Englisch sind und keiner davon Race bzw. eine diesbezügliche Positioniertheit explizit benennt. Wohl aber tauchen in dieser user_innen-unabhängigeren Ergebnisliste vereinzelt Videos z. B. auf Spanisch oder Französisch, mit kyrillischen Titeln oder mit Verweis auf nationalstaatliche Zugehörigkeit (z. B. ›from india‹, ›FTM Czech‹) auf, vgl. YouTube <https://www.youtube.com/results?search_query=ftm+transition> [Zugriff: 6. November 2018, über Tor Browser].
  5. Entsprechend verändern sich auch die Ergebnisse, wenn ich ›latino‹ oder ›asian‹ anstatt ›black‹ als Suchbegriffe ergänze. Bemerkenswert ist zudem, dass mir, klicke ich eines der Videos eines Schwarzen Vloggers an, als weitere Vorschläge für vermeintlich passende Videos am Seitenrand nicht wie bei den Vlogs weißer Vlogger weitere Transitions-Videos, sondern welche zu Gesundheit/Krankheit und Gewalttätigkeit angezeigt werden, in denen Schwarze Personen oder People of Color auf den Thumbnails zu sehen sind. Hier wird also Race und nicht trans* Geschlechtlichkeit zum bestimmenden Merkmal für Ähnlichkeit (Stand Februar 2019).
  6. YouTube <https://www.youtube.com/results?search_query=ftm+transition+black> [Zugriff: 1. Oktober 2018].
  7. Vgl. bell hooks, Ain’t I a Woman: Black Women and Feminism (London: Pluto Press, 1990); Angela Davis, Women, Race, and Class (New York: Vintage Books, 1983); Kimberlé Crenshaw, »Mapping the Margins: Intersectionality, Identity Politics, and Violence against Women of Color«, Stanford Law Review, 43.6 (1991), S. 1241–99.
  8. Vgl. Isabell Lorey, »Kritik und Kategorie: Zur Begrenzung politischer Praxis durch neuere Theoreme der Intersektionalität, Interdependenz und Kritischen Weißseinsforschung«, transversal 10 (2008) <http://eipcp.net/transversal/0806/lorey/de> [Zugriff: 30. Mai 2025].
  9. Vgl. u. a. C. Riley Snorton, Black on Both Sides: A Racial History of Trans Identity (Minneapolis: University of Minnesota Press, 2017); Hortense J. Spillers, »Mama’s Baby, Papa’s Maybe: An American Grammar Book«, diacritics, 17.2 (1987), S. 65–81; Kimberlé Crenshaw, »Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics«, University of Chicago Legal Forum, 1 (1989), S. 139–67 <https://chicagounbound.uchicago.edu/uclf/vol1989/iss1/8> [Zugriff: 30. Mai 2025]; No Tea, No Shade: New Writings in Black Queer Studies, hg. v. E. Patrick Johnson (Durham: Duke University Press, 2016); Treva Ellison, Kai M. Green, Matt Richardson und C. Riley Snorton, »We Got Issues: Toward a Black Trans*/Studies«, TSQ: Transgender Studies Quarterly, 4.2 (2017), S. 162–69.
  10. Lee Edelman, No Future: Queer Theory and the Death Drive (Durham: Duke University Press, 2004), S. 3.
  11. Für eine ausführliche Auseinandersetzung der Möglichkeiten und Grenzen unterschiedlicher Konzepte von queerer Zeitlichkeit, innerhalb derer auch Edelmans reproduktive Zukünftigkeit sich positioniert vgl. Kapitel 1 und 3.
  12. Henriette Gunkel, »Rückwärts in Richtung queerer Zukunft«, in Queer Cinema, hg. v. Dagmar Brunow und Simon Dickel (Mainz: Ventil, 2018), S. 68–81, hier S. 70.
  13. Vgl. Ellison, Green, Richardson und Snorton, »We Got Issues«.
  14. Snorton, Black on Both Sides, S. viii.
  15. Ebd., S. xiv.
  16. Ebd., i. O.: »to understand the conditions of emergence of things and beings that may not yet exist«, Herv. sh.
  17. In den Trans Studies besteht großes Interesse, biopolitische Zurichtungen und Prekarisierungen von trans* Körpern zu verstehen: »Biopower constitutes transgender as a category that it surveils, splits, and sorts in order to move some trans bodies toward emergent possibilities for transgender normativity and citizenship while consigning others to decreased chances for life«. Siehe Susan Stryker, »Biopolitics«, TSQ: Transgender Studies Quarterly, 1.1–2 (2014), S. 38–42, hier S. 41; vgl. a. Dean Spade, Normal Life: Administrative Violence, Critical Trans Politics, and the Limits of Law (Durham: Duke University Press, 2011); Toby Beauchamp, »Artful Concealment and Strategic Visibility: Transgender Bodies and the U.S. State Surveillance after 9/11«, Surveillance & Society, 6.4 (2009), S. 356–66.
  18. José E. Muñoz, Cruising Utopia: The Politics and Performance of Queer Futurity (New York: New York University Press, 2009), S. 7.
  19. Vgl. Spillers, »Mama’s Baby, Papa’s Maybe«.
  20. Frantz Fanon, Schwarze Haut, weiße Masken, übers. v. Eva Moldenhauer (Wien: Turia + Kant, 2016), S. 191. Für die Publikation meines Buches habe ich die wörtlichen Zitate der englischen Fassung durch die entsprechenden deutschsprachigen Passagen ersetzt.
  21. Vgl. Tobias Raun, Out Online: Trans Self-Representation and Community Building on YouTube (New York: Routledge, 2016), S. 90–95; Mel Y. Chen, »Everywhere Archives: Transgendering, Trans Asians, and the Internet«, Australian Feminist Studies, 25.64 (2010), S. 199–208; Susan Stryker, »(De)Subjugated Knowledges: An Introduction to Transgender Studies«, in The Transgender Studies Reader, hg. v. Susan Stryker und Stephen Whittle (New York: Routledge, 2006), S. 1–17; Laura Horak, »Trans on YouTube: Intimacy, Visibility, Temporality«, TSQ: Transgender Studies Quarterly, 1.4 (2014), S. 572–85. Die Herausgeber_innen der Sonderausgabe Trans-in-Asia, Asia-in-Trans des TSQ beispielsweise bedauern allgemein die Randständigkeit der Forschung nicht-normativer Körperlichkeit in Asienstudien und umgekehrt die Zentrierung von trans* und Queer Studies auf den globalen und anglofonen Norden, vgl. Howard Chiang, Todd A. Henry und Helen Hok-Sze Leung, »Trans-in-Asia, Asia-in-Trans: An Introduction«, TSQ: Transgender Studies Quarterly, 5.3 (2018), S. 298–310, hier S. 298–300.
  22. Der Titel des gleichnamigen Buchs der Wissenschaftshistorikerin Cordelia Fine spielt mit dem lateinischen rex auf männliche Souveränität und gleichzeitig auf den Tyrannosaurus Rex an, der zwar als gefährlichster Dinosaurier gilt, aber bekanntermaßen ausgestorben ist – ein Zustand, in den Fine auch das Konzept des Mythos Testosteron als Essenz von Männlichkeit und damit biologisch-essentialistischem Unterschied von Männern und Frauen versetzen möchte, vgl. Cordelia Fine, Testosterone Rex: Myths of Sex, Science, and Society (New York: Norton, 2017).
  23. Vgl. Toby Beauchamp, »The Substance of Borders: Transgender Politics, Mobility, and US State Regulation of Testosterone«, GLQ: A Journal of Lesbian and Gay Studies, 19.1 (2013), S. 57–78.
  24. Während Toby Beauchamp den US-amerikanischen Steroid Trafficking Act of 1990 analysiert, veranlassen auch gegenwärtige Entscheidungen zur Regulation von Testosteron in den Körpern von Athlet_innen zu kritischen race- und gendersensiblen Befragungen. Der Weltleichtathletikverband (IAAF) hat mit Wirkung zum 1. November 2018 beschlossen, dass Athlet_innen in ausgewählten Wettkämpfen nicht mehr in der Frauenwertung antreten dürfen, wenn der Testosterongehalt in ihrem Blut 5nm pro Liter übersteigt und sie nicht ab wenigstens 6 Monate vor einem Wettkampf diesen Wert über die Einnahme von Hormonpräparaten senken. Das Vorgehen war im Rahmen einer Klage der Läuferin Caster Semenya als zwar diskriminierend, aber »notwendig, angemessen und verhältnismäßig« (necessary, reasonable and proportionate) bestätigt worden, TAS / CAS, »Caster Semenya, Athletics South Africa (ASA) and International Association of Athletics Federations (IAAF): Decision«, 1. Mai 2019 <https://www.tas-cas.org/fileadmin/user_upload/Media_Release_Semenya_ASA_IAAF_decision.pdf> [Zugriff: 30. Mai 2025]. Die Entscheidung basiert auf Studien zum Einfluss von ›erhöhtem‹ Testosteron auf verbesserten Muskelaufbau und höhere Hämoglobinwerte als Marker für bessere Leistungen, wodurch ein unfairer Wettbewerbsvorteil entstünde. Unfair deswegen, weil, so das Argument, die Zugehörigkeit zur Wettkampfkategorie ›Frauen‹ über den für Frauen überdurchschnittlich hohen Testosterongehalt in Zweifel gezogen und damit die Aufteilung der Wettkämpfe nach Geschlecht in Rücksicht auf ›Chancengleichheit‹ grundsätzlich unterlaufen würde. Die Bluttests reproduzieren dabei sowohl ein stabiles Zweigeschlechterverhältnis als auch ein rassistisches Othering, in dem der Schwarze Körper als ›deviant‹ ausgestellt wird, wie Henriette Gunkel bereits für den sogenannten sex verification test festhält, der in historischer Genese über mehrere Jahrzehnte dem Bluttest vorausging, vgl. Henriette Gunkel, »Queer Times Indeed?: Südafrikas Reaktionen auf die mediale Inszenierung der 800-Meter-Läuferin Caster Semenya«, Feministische Studien, 30.1 (2012), S. 44–52. Für die Debatten um den Rassismus der aktuellen Regelung vgl. Katrina Karkazis und Rebecca M. Jordan-Young, »The Powers of Testosterone: Obscuring Race and Regional Bias in the Regulation of Women Athletes«, Feminist Formations, 30.2 (2018), S. 1–39; Andy Bull, »IAAF Accused of ‘Blatant Racism’ over New Testosterone Level Regulations«, Guardian, 27. April 2018 <https://www.theguardian.com/sport/2018/apr/27/iaaf-accused-blatant-racism-over-new-testosterone-regulations-caster-semenya> [Zugriff: 30. Mai 2025]. Bereits auf die vorherige Aufhebung einer auf Hormonwerten basierenden Zulassung zu internationalen Wettkämpfen hat Ulrike Bergermann reagiert, vgl. Ulrike Bergermann, »Hyperandrogenes Testen: Hormone brechen olympische Rekorde«, Zeitschrift für Medienwissenschaft, ZfM Online, GAAAP_ The Blog, 18. August 2016 <https://zfmedienwissenschaft.de/online/hyperandrogenes-testen-hormone-brechen-olympische-rekorde> [Zugriff: 30. Mai 2025]; für eine genaue Analyse der in der Berichterstattung über Semenya aufgerufenen und stabilisierten Geschlechter- und Race-Hierarchien vgl. Jennifer Doyle, »Capturing Semenya«, The Sport Spectacle, 16. August 2016 <https://thesportspectacle.com/2016/08/16/capturing-semenya/> [Zugriff: 30. Mai 2025].
  25. Aren Z. Aizura vollzieht anhand von trans* Autobiografien nach, »wie das klassische transsexuelle Subjekt als weißes markiert ist und […] wie diese Narrative im Bemühen darum, Transsexualität intelligibel zu machen, Weißsein und rassifizierte Hierarchien verstärken«, i. O.: »how the classical transsexual subject is marked by whiteness and […] how these narratives shore up whiteness and racial hierarchies in their quest to make transsexuality legible«, Aren Z. Aizura, Mobile Subjects: Transnational Imaginaries of Gender Reassignment (Durham: Duke University Press, 2018), S. 70.
  26. Snorton, Black on Both Sides, S. 141, i. O.: »an illusory promise of freedom within a landscape of structural, textual, and physical violence of varying scales«. Snorton holt für sein Argument historisch noch etwas weiter aus: Mit Blick auf die Anfänge der Gynäkologie in den USA, vornehmlich die Versuche des Arztes James Marion Sims, zeigt er, wie bereits durch die Untersuchung und Behandlung versklavter Schwarzer Frauen normative Binärgeschlechtlichkeit exklusiv als weiß produziert wurde. Vorgeblich wissenschaftliche Ergebnisse haben Schwarzen Körpern ›minderwertig‹ ausgebildete Geschlechtsorgane attestiert, wodurch sie, wie Snorton mit Verweis auf Spillers ausführt, als ›geschlechtsloses Fleisch‹ (ungendered flesh) entwertet wurden. In einem emanzipativen Gestus deutet Snorton dies als Möglichkeit der Flucht aus Geschlechterrollen und damit teilweise auch aus unmittelbaren Versklavungsverhältnissen um.
  27. Vgl. Emily Skidmore, »Constructing the ›Good Transsexual‹: Christine Jorgensen, Whiteness, and Heteronormativity in the Mid-Twentieth-Century Press«, Feminist Studies, 37.2 (2011), S. 270–300, hier S. 271. Wie Beauchamp verortet Skidmore die Formierung populärkultureller trans* Diskurse in den 1950er und 1960er Jahren nachdrücklich auch geopolitisch und nationalstaatlich in Rückgriff auf entsprechende (US-amerikanische) Geschlechter- und Familienbilder konkret in Zeiten des Kalten Krieges, währenddessen »geschlechtliche und sexuelle Abweichung oft mit politischer Subversion gleichgesetzt wurden« (gender and sexual deviancy were often equated with political subversion), ebd., S. 273; vgl. auch Susan Stryker, »Kaming Mga Talyada (We Who Are Sexy): The Transsexual Whiteness of Christine Jorgensen in the (Post)colonial Philippines«, in The Transgender Studies Reader 2, hg. v. Susan Stryker und Aren Z. Aizura (New York: Routledge, 2013), S. 543–53.
  28. Henriette Gunkel vollzieht anhand der Etablierung sogenannter Tests zur Geschlechtsbestätigung [sex verification tests] während des Kalten Krieges nach, wie Sport zum »Träger und Instrument eines Weltbildes [wurde], das ein Verständnis von konkurrierenden politischen Systemen mit nationaler Ehre verband« (Gunkel, »Queer Times Indeed?«, S. 45).
  29. Katy Steinmetz, »America’s Transition«, TIME, 183.22, 9. Juni 2014, S. 38–46.
  30. Jian Neo Chen stellt in Bezug auf die Verschränkung von Trans*sein und Nation fest: »Time’s transgender issue reveals not only the technical administering of civil rights to deactivate social movements but also the managed harnessing of civil rights to advance the internal and external frontiers of American empire«. Siehe Jian N. Chen, Trans Exploits: Trans of Color Cultures and Technologies in Movement (Durham: Duke University Press, 2019), S. 3.
  31. Vgl. Katy Steinmetz, »The Transgender Tipping Point: America’s Next Civil Rights Frontier«, TIME, 183.22, 9. Juni 2014 <http://time.com/magazine/us/135460/june-9th-2014-vol-183-no-22-u-s/>.
  32. Chen, Trans Exploits, S. 3.
  33. Raun, Out Online, S. 203.
  34. itsGOTtobegroovy, Week 40 on T: Racism as a Black FTM, 30. Oktober 2010 <https://www.youtube.com/watch?v=XUJIsKYyaKY&> [Zugriff: 30. Mai 2025].
  35. Teile der folgenden Analysen habe ich bereits an anderer Stelle veröffentlicht, vgl. Sarah Horn, »Mediated Trans Futurities«, in Future Bodies, hg. v. Henriette Gunkel und Heiko Stoff, Body PoliticsZeitschrift für Körpergeschichte, 12 (2024), S. 109–23 <https://doi.org/10.12685/bp.v12i16.1562>.
  36. Vgl. Kapitel 1.
  37. Der Vlogger hat das Video mit folgenden, für die Auffindbarkeit des Videos in der plattformeigenen wie auch größeren Suchmaschinen notwendigen Schlagworten versehen: »black ftm, black transman, transgender, transition, racism, black, transman, ftm, race, race relations, African american, transsexual, perceive, perceptions, fear, whites, white, Caucasian, assumptions, prejudice, transgendered«, itsGOTtobegroovy, Week 40 on T: Racism as a Black FTM: Quellcode, 30. Oktober 2010 <view-source:https://www.youtube.com/watch?v=XUJIsKYyaKY&> [Zugriff: 21. Juli 2020].
  38. Vgl. Andrea Seier, Remediatisierung: Die performative Konstitution von Gender und Medien (Berlin: Lit Verlag, 2007).
  39. Raun beschreibt diese selbstberührenden Gesten in Rückgriff auf Laura Marks Konzept der ›haptischen Visualität‹ (haptic visuality) als Ausdruck einer physikalischen Präsenz, vgl. Raun, Out Online, S. 123–26.
  40. Vorher möchte er bereits demonstrieren, dass die Haare auf seinen Armen dunkler geworden sind und lenkt den Lichtstrahl von seinem hell aufleuchtenden Arm weg, während er feststellt: »I don’t know if you gonna see it in the video, um.. You can’t really tell«, gorillashrimp, T-Day! March 21, 2014, 13. August 2014 <https://www.youtube.com/watch?v=2xvlSUtFuh4> [Zugriff: 30. Mai 2025], 04:22–04:28.
  41. itsGOTtobegroovy, Week 40 on T: Racism as a Black FTM, 01:53–01:59.
  42. Ebd.
  43. Ebd., Herv. sh.
  44. Auf die Trope des ›angry black man‹ und dessen Bedeutung für die Zeitlichkeiten Schwarzer Männlichkeiten werde ich in Kapitel 2.5 detaillierter eingehen.
  45. Kara Keeling, »Looking for M—: Queer Temporality, Black Political Possibility, and Poetry from the Future«, GLQ: A Journal of Lesbian and Gay Studies, 15.4 (2009), S. 565–82, hier S. 576. Keeling aktualisiert mit ihrer Filmanalyse die von Frantz Fanon beschriebenen räumlichen Machttechniken, um gegenwärtige mediale Anordnungen beschreiben zu können.
  46. Beauchamp, »Artful Concealment and Strategic Visibility«, S. 357.
  47. Institutionelle und nationalstaatliche Mechanismen der gewaltvollen Autorisierung von trans* Identitäten schreiben sich immer wieder in diese Lebensweisen ein. Eine umfassende Studie zu institutioneller Gewalt an mehrfach marginalisierten trans* Personen durch die Gesetzgebung in Deutschland und Europa hat Fütty 2019 vorlegt; vgl. Tamás Jules Fütty, Gender und Biopolitik: Normative und intersektionale Gewalt gegen Trans*Menschen (Bielefeld: transcript, 2019).
  48. itsGOTtobegroovy, Week 40 on T: Racism as a Black FTM, 8:03–8:15.
  49. Seine Formulierung, Rassismus mittlerweile anders zu erfahren, impliziert eine vergeschlechtlichte und darüber auch sexualisierte Dimension von Rassismus. Die Erfahrung rassistischer Diskriminierung ist ihm seit der Transition keineswegs neu, jedoch formiert sich die Projektion einer von ihm vermeintlich ausgehenden Gefahr für eine weiße Mehrheitsgesellschaft um seinen Körper anders, sobald dieser männlich konnotierte Züge und Eigenschaften aufweist.
  50. itsGOTtobegroovy, Living with racism in Black FTM transition [CC], 13. März 2015 <https://www.youtube.com/watch?v=2hUwkC4Yuy4> [Zugriff: 30. Mai 2025].
  51. Ebd., Herv. sh.
  52. Wendy Hui Kyong Chun, »Queerying Homophily: Muster der Netzwerkanalyse«, Zeitschrift für Medienwissenschaft (ZfM), 18 (2018), S. 131–48, hier S. 131.
  53. Vgl. Thomas C. Schelling, »Models of Segregation«, The American Economic Review, 59.2 (1969), S. 488–93.
  54. Vgl. Vi Hart und Nicky Case, Parable of the Polygons: A Playable Post on the Shape of Society <https://ncase.me/polygons/> [Zugriff: 30. Mai 2025]. Auf genannter Homepage lassen sich Simulationen von Schellings Modell mit unterschiedlich gesetzten Parametern und Ausgangssituationen testen, in denen Ausschlussmechanismen berücksichtigt werden. So ist unter anderem auch eine bereits segregierte Nachbarschaft als Ausgangszustand zu finden. Ob jedoch die Gründe für die Segregation z. B. rassistisch oder ökonomisch motiviert sind oder wie diese Parameter auch miteinander in Relation stehen, bleibt außen vor.
  55. Chun, »Queerying Homophily«, S. 139.
  56. Vgl. ebd., S. 144.
  57. Safiya Umoja Noble hat die rassistischen Effekte der Suchfunktionen von Google – seit 2006 gehört auch YouTube zum Unternehmensnetzwerk – und der daraus entstehenden Rankings von Ergebnissen umfassend kritisiert, nachdem sie bei ihrer Suche nach ›black girls‹ im Jahr 2011 als vermeintlich beste Treffer nur pornografische Inhalte angezeigt bekommen hat: »Is this the best information? For whom? We must ask ourselves who the intended audience is for a variety of things we find, and question the legitimacy of being in a ›filter bubble‹ [Eli Pariser, The Filter Bubble (2011)], when we do not want racism and sexism, yet they still find their way to us« (Noble, Algorithms of Oppression, S. 5).
  58. Zu finden sind sie weiterhin über den Quellcode der jeweiligen Webseite: Sobald ein Video auf YouTube angeklickt wurde, kann über einen Rechtsklick auf der entsprechenden Webseite ein Kontextmenü geöffnet und darin der Reiter ›Seitenquelltext anzeigen‹ gewählt werden. In dem sich daraufhin öffnenden Fenster lässt sich über die Suchfunktion (mit der Tastenkombination ›Strg+F‹) das Stichwort ›keywords‹ aufspüren, hinter dem die Schlagworte des jeweiligen Videos aufgeführt sind (Stand Februar 2019).
  59. itsGOTtobegroovy, Week 40 on T: Racism as a Black FTM, 0:00–0:14, Herv. sh.
  60. Gemeint ist vermutlich Geschlechterdysphorie, ein Begriff, der die therapeutische Klassifikation einer Geschlechtsidentitätsstörung abgelöst hat und von vielen trans* Personen als weniger pathologisierend begrüßt und teilweise auch zur Beschreibung des Unbehagens mit dem eigenen Körper bzw. dessen Vergeschlechtlichung genutzt wird, vgl. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders: DSM-5, hg. v. American Psychiatric Association, 5. Ausg. (Washington: American Psychiatric Publishing, 2013). Trans* Aktivist_innen wie Theoretiker_innen fordern aber weiterhin auch eine solches Unbehagen nicht zur Voraussetzung zu machen, um als trans* Person leben zu können, vgl. Katharina Jacke, »Medizinische Trans Konzepte im Wandel: Ambivalenzen von Entpathologisierung und Liberalisierung«, in Trans & Care: Trans Personen zwischen Selbstsorge, Fürsorge und Versorgung, hg. von Max N. Appenroth und María do Mar Castro Varela (Bielefeld: transcript, 2019), S. 55–74; Felicia Ewert, Trans. Frau. Sein. Aspekte geschlechtlicher Marginalisierung (Münster: edition assemblage, 2020), S. 38–43.
  61. Die hier und im Folgenden kurz skizzierten physikalischen Phänomene der Optik und technischen Funktionsweisen entsprechender Geräte und Bauteile dienen in erster Linie einem rahmenden Verständnis des Arguments. In dieser Form schließt die Darstellung nicht an gegenwärtige feministische Diskurse eines Neuen Materialismus an, wie er u. a. von Karen Barad vertreten wird. Barad widmet sich zwar der physikalischen Betrachtung von Licht und nimmt dessen von der Quantenphysik als Welle-Teilchen-Dualismus beschriebenen Eigenschaften zum Ausgangspunkt, um mit der optischen Metapher der Diffraktion Materialität als intra-aktiv beschreiben zu können, vgl. Karen Barad, Meeting the Universe Halfway: Quantum Physics and the Entanglement of Matter and Meaning (Durham: Duke University Press, 2007). Barads ›agentieller Realismus‹ fasst damit auch den menschlichen Körper und dessen Grenzen als Entitäten, die stets aufs Neue intra-aktiv hervorgebracht werden, statt einer Inter-Aktion vorauszugehen – was für körperlich-materialistisch informierte Trans Studies methodologisch durchaus interessant sein kann, zumal Barad selbst von einer agentiellen »trans* Materialität« (trans*materiality) ausgeht, die auf subatomarer Ebene die Binarismen belebt/unbelebt, Selbst/Anderes, leer/gefüllt dekonstruiert, sie darüber, wie sie selbst schreibt, queert und dabei auch Zeit- und Raumverhältnisse umarbeitet: »Nature is agential trans*materiality/ trans-matter-reality in its ongoing re(con)figuring, where trans is not a matter of changing in time, from this to that, but an undoing of ›this‹ and ›that‹, an ongoing reconfiguring of spacetimemattering in an interative reworking of past, present, and future integral to the play of the indeterminacy of being-time«. Siehe Karen Barad, »TransMaterialities: Trans*/Matter/Realities and Queer Political Imaginings«, GLQ: A Journal of Lesbian and Gay Studies, 21.2–3 (2015), S. 387–422, hier S. 411, Herv, i. O. Insofern diese Argumente aber ontologische Gewissheiten produzieren, können gerade die temporalen Spezifika von geschlechtlicher Transition mit Testosteron und den Vlogs nicht erfasst und die sie begleitenden Zwänge wie auch die Widerständigkeiten dagegen nicht differenziert beschrieben werden. Für eine explizit medienwissenschaftliche Verortung von Einsätzen eines Neuen Materialismus vgl. Andrea Seier, »Die Macht der Materie: What else is new?«, Zeitschrift für Medienwissenschaft (ZfM), 11.2 (2014), S. 186–91 <https://doi.org/10.25969/mediarep/1295>.
  62. Mit dieser Feststellung möchte ich keineswegs implizieren, sämtliche mobile Geräte digitaler Bildproduktion sollten potenziell als Überwachungsgeräte eingesetzt werden können, weder in einer Geste der Surveillance noch in einer Sousveillance. Stattdessen geht es mir darum, die in die technischen Materialitäten eingetragenen Geschlechtlichkeiten und Rassifizierungen nachvollziehbar zu machen, um davon ausgehend die technischen Möglichkeiten auf ein (gegen)dokumentarisches Potenzial hin zu befragen. Die Bedeutung von Videoaufnahmen mit einem Smartphone insbesondere für eine Mobilisierung gegen Polizeigewalt und anti-Schwarzen Rassismus in den USA ist durch das Video vom Mord an George Floyd und auch dem Facebook-Livestream von Philando Castiles Tod deutlich geworden, vgl. Penelope Papailias, »Witnessing to Survive: Selfie Videos, Live Mobile Witnessing and Black Necropolitics«, in Image Testimonies: Witnessing in Times of Social Media, hg. v. Kerstin Schankweiler, Verena Straub und Tobias Wendl (New York: Routledge, 2019), S. 104–20.
  63. Auf YouTube gibt es zahlreiche Video-Tutorials, die in als einfach angepriesenen Schritten dazu anleiten, Webcams oder Smartphones zu sogenannten Nachtsichtgeräten umzubauen, vgl. Kedar Nimbalkar, How To Make Infrared Night Vision Camera from Any Smartphone!, 21. Dezember 2017 <https://www.youtube.com/watch?v=S_otDBRFmGI&t=341s> [Zugriff: 30. Mai 2025]. Dazu wird der Infrarot-Filter mechanisch und dauerhaft aus dem jeweiligen Gerät entfernt und eine Infrarotlichtquelle, meist ein bis zwei LED, angebaut. Man braucht etwas Geduld, muss aber handwerklich nicht sonderlich begabt sein, um den Umbau zu bewerkstelligen, wie ich beim Selbstversuch mit einem ausgedienten Smartphone und einem Babyvideomonitor als Infrarotlichtquelle feststellte.
  64. Vgl. Dyer, White, S. 89f.
  65. »Die bevorzugte Lichtquelle, die Kohlenbogenlampe, lieferte ein steuerbares und sich gut verbreitendes Licht, leuchtete aber die Räume stark aus, wodurch es zu scharfen Kontrasten kam. Die andere Lichtquelle, die hell leuchtende Wolframglühlampe, war weicher, erzeugte weniger Kontraste und war darüber hinaus günstiger und leichter zu handhaben. Oberflächlich betrachtet erschien die Kombination von orthochromatischem Material und Wolframglühlampe als Ideallösung: ein Material, das keine Kontraste förderte, und ein Licht, das sie nicht hervorrief (und bequemer im Gebrauch und weniger kostspielig war). Es gab aber ein Problem. Das Licht dieser Wolframglühlampe hat einen sehr hohen Anteil von Rot und Gelb (das Licht von Kohlenbogenlampen ist eher weiß). Orthochromatisches Material reagiert nicht empfindlich auf diese Farben und gibt sie daher dunkel wieder. Dies trifft sogar für rosafarbene Gesichter und Lippen mit einem dunkleren Rosaton zu, wie auch für helle und sogar blonde Haare. Kurzum, die Verwendung von orthochromatischem Material zusammen mit Wolframglühlampen ließ weiße Menschen schwarz erscheinen. Also wurden Kohlenbogenlampen verwendet, obwohl diese kostspielig und schwer zu handhaben waren«. Siehe Richard Dyer, »Das Licht der Welt«, in Gender & Medien Reader, hg. v. Kathrin Peters und Andrea Seier (Zürich: Diaphanes, 2016), S. 177–93, hier S. 181.
  66. Unterschiedliche Algorithmen verschiedener Hersteller setzen die einzelnen Farbinformationen bestehend aus roten, grünen und blauen Anteilen unterschiedlich zu Bildern bzw. Bildpunkten zusammen und produzieren in den jeweiligen Geräten damit bereits unterschiedliche Farbwerte bei Aufnahmen unter ansonsten vergleichbaren Bedingungen, vgl. Peter Bühler, Patrick Schlaich und Dominik Sinner, Digitale Fotografie: Fotografische Gestaltung – Optik – Kameratechnik (Heidelberg: Springer, 2017), S. 30.
  67. Beispielsweise bieten manche Kamera-Softwares eines Smartphones einen »Beauty-Modus« an, der Porträtaufnahmen weichzeichnet und die Haut damit glatter und heller aussehen lässt, vgl. Ulrike Bergermann, »Shirley and Frida: Filters, Racism, and Artificial Intelligence«, in Filters and Frames: Developing Meaning in Photography and Beyond, hg. v. Katja Böhlau und Elisabeth Pichler (Weimar: Jonas arts + science, 2019), S. 47–63.
  68. Ulrike Bergermann, »Weißabgleich und unzuverlässige Vergleiche«, in Ulrike Bergermann, Verspannungen: Vermischte Texte (Braunschweig: Lit Verlag, 2013), S. 11–29, hier S. 15.
  69. Bergermann, »Weißabgleich und unzuverlässige Vergleiche«, S. 23.
  70. Balafu Bakupa-Kanyinda 2010, zit. nach Bergermann, »Weißabgleich und unzuverlässige Vergleiche«, S. 13. Sensitometrie ist die DIN-genormte Strahlungsempfindlichkeit von Materialien.
  71. Pohls Einführung in die Physik: Band 2: Elektrizitätslehre und Optik, hg. v. Klaus Lüders und Robert O. Pohl, 24. Aufl. (Heidelberg: Springer, 2018).
  72. Was unter anderem dazu führt, dass Computerspiele, deren Steuerung auf die Erfassung von Gestik oder Mimik der Spieler_innen beruht, unter Umständen nicht funktionieren, wenn die Haut der Spieler_innen als nicht hell genug hergestellt wird. Sei es, weil die Hardware der Kamera, wie oben beschrieben, dazu nicht vorgesehen ist oder die algorithmische Grundstruktur des Spiels entsprechende Signale nicht verarbeiten kann, vgl. Andy Trowers, »How We Accidentally Made a Racist Videogame«, Kotaku, 12. Januar 2017 <http://www.kotaku.co.uk/2017/01/12/how-we-accidentally-made-a-racist-videogame> [Zugriff: 28. Februar 2019]. Der Beitrag ist nicht mehr online verfügbar, zentrale Punkte werden in einem weiteren Artikel aber wiedergegeben, vgl. Chris Kerr, Design Oversights and Accidental Racism in »You’re in the Movies«, Game Developer, 12. Januar 2017 <https://www.gamedeveloper.com/production/design-oversights-and-accidental-racism-in-i-you-re-in-the-movies-i-> [Zugriff: 30. Mai 2025].
  73. Astrid Deuber-Mankowsky, »Diffraktion statt Reflexion: Zu Donna Haraways Konzept des situierten Wissens«, Zeitschrift für Medienwissenschaft (ZfM), 4.1 (2011), S. 83–91, hier S. 89. In entsprechend semiotisch-materieller Perspektive werden auch die hier angebrachten Verweise auf physikalische Definitionen und Gesetzmäßigkeiten herangezogen. Haraways Konzept des ›situierten Wissens‹ wird in Kapitel 3 für die Beschreibung von Testosteron als einem Medium relevant, dessen mediale Funktion über die bisherige Darstellung als eines Botenstoffs in einem kybernetisch verstandenen System (Organismus) hinausreicht.
  74. Für eine genauere Bestimmung einer archivarischen Funktion der Vlogs vgl. Kapitel 4.
  75. Die physikalisch präzise Unterscheidung der Funktionsweise von Nacht- und Wärmebildkameras bleibt an dieser Stelle unbeachtet, da dies für die weitere Argumentation nicht relevant ist. Beide Bildgebungstechniken zeichnen Infrarotstrahlung auf, allerdings in verschiedenen Wellenlängen. Bei der sogenannten Nachtsicht wird nahe Infrarotstrahlung in sichtbares Licht umgewandelt. Thermografiekameras arbeiten hingegen mit der auch Wärmestrahlung genannten mittleren Infrarotstrahlung. Beide Techniken werden zur Erkundung und Überwachung im privaten wie militärisch-polizeilichen Bereich eingesetzt, vgl. Nicky Woolf, »FBI Planes that Flew over Police Protests Had Sophisticated Surveillance Cameras«, Guardian, 30.08.2015 <https://www.theguardian.com/us-news/2015/oct/30/fbi-surveillance-planes-ferguson-baltimore-cameras> [Zugriff: 30. Mai 2025].
  76. Vgl. Simone Browne, Dark Matters: On the Surveillance of Blackness (Durham: Duke University Press, 2015); Allan Sekula, »Der Körper und das Archiv«, in Diskurse der Fotografie: Fotokritik am Ende des fotografischen Zeitalters, hg. v. Herta Wolf (Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 2003), S. 269–334.
  77. Zu einem Skandal wurde nicht nur Googles Gesichtserkennung, bei der 2015 ein Fall prominent wurde, in der der Bilderalgorithmus das Foto von zwei Schwarzen Personen unter dem Schlagwort ›Gorilla‹ führte. Auch haben andere digitalbasierte Visualisierungsmedien immer wieder Probleme damit, die Mimik oder Gestik von Körpern zu erkennen, deren Haut weniger hell ist und deswegen Licht anders reflektiert – was in den jeweiligen Programmierungen, wie z. B. für das Microsoft xBox-Spiel »You’re in the Movies«, offensichtlich allzu oft nicht bedacht wird, vgl. Noble, Algorithms of Oppression, S. 6.; Trowers, »How We Accidentally Made a Racist Videogame«.
  78. itsGOTtobegroovy, Living with racism in Black FTM transition [CC], 02:30-03:00.
  79. Diese Beobachtung beschränkt sich nicht auf den Lebensalltag von Schwarzen trans* Männern in den USA. Eine sehr ähnliche Erfahrung macht auch der weiße Schriftsteller Jayrôme Robinet, der von Frankreich nach Berlin migriert und dort seine Testosteronbehandlung beginnt, woraufhin er zunehmend mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert wird, wie sie vor allem jungen Männern widerfährt, die wegen dunklerer Haut oder dunkleren Haaren als migrantisch gelesen werden, vgl. Jayrôme C. Robinet, Mein Weg von einer weißen Frau zu einem jungen Mann mit Migrationshintergrund (München: Hanser, 2019), insbes. S. 175–79.
  80. Auch im breiteren öffentlichen Diskurs findet sich die stets aufs Neue be- oder widerlegte Annahme eines kausalen Zusammenhangs zwischen einem hohen Testosteronlevel im Körper eines Menschen und dessen Auftreten als aggressiv und/oder dominant, vgl. Rebecca M. Jordan-Young und Katrina Karkazis, Testosterone: An Unauthorized Biography (Cambridge/MA: Harvard University Press, 2019), insbesondere das Kapitel ›Violence‹, S. 53–84.
  81. Die Relativierung trägt dabei den von Raewyn Connell argumentierten Unterscheidungen verschiedener Männlichkeiten auch in Bezug auf Klasse, Sexualität und Race Rechnung, wonach nicht allen Männern pauschal und qua ihres Mannseins alle gesellschaftlichen Privilegien gleichermaßen zur Verfügung stehen. Sie unterscheidet eine solche hegemoniale Männlichkeit von Männlichkeiten, die sich entweder in Komplizenschaft, Marginalisierung oder Unterordnung zur ersteren befinden, vgl. Raewyn Connell, Der gemachte Mann: Konstruktion und Krise von Männlichkeiten, übers. v. Christian Stahl, hg. v. Ursula Müller, 4. Aufl. (Opladen: Springer, 2015), S. 129–35. Eine weitere Auseinandersetzung mit Konzepten von Männlichkeit wird in Kapitel 3 vorgenommen, allerdings nicht mit expliziter Berücksichtigung eines Hegemonieverständnisses. Mir geht es weder um die Anordnung von Männlichkeiten zueinander noch um einen subversiven oder konservativen Charakter selbiger. Stattdessen interessiert mich die Wechselbeziehung von Männlichkeiten und Medien, die Vervielfältigungen und Differenzen von Geschlecht mit hervorbringt.
  82. itsGOTtobegroovy, Living with racism in Black FTM transition [CC], 02:08–02:10.
  83. Unter dem Hashtag #iftheygunnedmedown posteten im Sommer 2014 viele junge Afro-Amerikaner_innen auf Tumblr oder Twitter zwei Bilder von sich: Eins zeigt sie in herausfordernder, überheblicher, mitunter aggressiver Pose, auf einem zweiten sind sie als Hochschulabsolvent_innen, Soldat_innen oder fürsorgende Bürger_innen zu sehen. Mit dem Hashtag stellen die User_innen die rhetorische Frage, welches dieser Bilder wohl von der Polizei und/oder der Berichterstattung in den Nachrichten verwendet würde, sollten sie durch eine Waffe von Polizist_innen sterben. Auslöser für diesen Protest war der Tod des 18-jährigen Michael Brown, der unbewaffnet aber in angeblicher Notwehr von einem Polizisten erschossen wurde. Der virale Protest richtete sich gegen die rassistische Polizeigewalt ebenso wie die mediale Stereotypisierung von Schwarzen Jugendlichen als ›angry black youth‹. Die Zuschreibung übertriebener Schwarzer Affektierung und vor allem Wut ist nicht exklusiv männlich narrativiert, aber in der Verbindung mit Männlichkeit stärker als vermeintliche Bedrohung für eine als weiß imaginierte Mehrheitsgesellschaft gerahmt, wohingegen die ›angry black woman‹ in zudem sexistischer Manier stärker und besser von eben dieser Gesellschaft zu disziplinieren sei. Prominent thematisiert dies die Berichterstattung über die Schwarze Tennisspielerin Serena Williams, die immer wieder – zuletzt im Finale der US Open 2018 – für angeblich unangemessene Verhaltensweisen (finanziell) sanktioniert wird, vgl. Ritu Prasad, »Serena Williams and the Trope of the ›Angry Black‹«, bbc.com, 11.09.2018 <https://www.bbc.com/news/world-us-canada-45476500> [Zugriff: 30. Mai 2025]. Vom Hashtag #iftheygunnedmedown habe ich durch einen Vortrag von Tina Campt zu »Black Futurity in the Echo of Premature Death« im Rahmen des »Black Feminist Futures«-Symposiums an der Northwestern University am 20./21. Mai 2016 erfahren.
  84. Julia R. Wallace und Kai M. Green, »Tranifest: Queer Futures«, GLQ: A Journal of Lesbian and Gay Studies, 19.4 (2013), S. 568–69, hier S. 569, Herv. sh.
  85. Esra Canpalat, Maren Haffke, Sarah Horn, Felix Hüttemann und Matthias Preuss, »Einleitung: Operationen, Foren, Interventionen – Eine Annäherung an den Begriff Gegen\Dokumentation«, in Gegen\Dokumentation: Operationen – Foren – Interventionen, hg. v. Esra Canpalat, Maren Haffke, Sarah Horn, Felix Hüttemann und Matthias Preuss (Bielefeld: transcript, 2020), S. 7–24, hier S. 8.
  86. Kathrin Peters stellt in ihren epistemologischen Untersuchungen der Fotografien von geschlechtlich nicht-binär kategorisierbaren Personen um 1900 ›das unbedingte Bemühen‹ fest, »in Sachen Geschlecht dingfest zu machen, was nicht dingfest war, sichtbar zu machen, was nicht sichtbar war, zu vereindeutigen, was nicht eindeutig war«. Siehe Kathrin Peters, Rätselbilder des Geschlechts: Körperwissen und Medialität um 1900 (Zürich: Diaphanes, 2010), S. 20. Dabei betont sie, dass sämtliche dieser fotografischen Visualisierungsprozesse gleichzeitig andere Unsicherheiten, Uneindeutigkeiten und Brüche produzieren, sodass der dokumentarische Modus der visuellen Wissensproduktion in seinen Subjektivierungseffekten ambivalent bleibt (vgl. ebd.). Diese Ambivalenz lässt sich auch für die Vlogs beobachten, auch wenn zu betonen ist, dass die Motivation für die Visualisierung hierbei nicht von einem disziplinierenden Interesse anderer getragen ist.
  87. The Aggressives, Regie: Daniel Peddle (US, 2005).
  88. Keeling, »Looking for M—«, S. 576, Herv. sh.
  89. Ebd., S. 568.
  90. Ebd.
  91. Ebd., i. O.: »to address the tension between the hermeneutics of recognizing a figure of radical alterity within the structures that guarantee futurity and the determination of a politics in the face of such a recognition«. Für eine Auseinandersetzung mit Edelmans Theorie einer queeren Zeitlichkeit, vgl. Kapitel 1. Fanons und weitere Zeitlichkeitskonzepte postkolonialer Theorien diskutiere ich im nächsten Unterkapitel in Verbindung mit queeren Perspektiven.
  92. M— entzieht sich der US-amerikanischen Armee während der Irak-Invasion und ist seitdem untergetaucht.
  93. Ebd., S. 578.
  94. Jack Halberstam, In a Queer Time and Place: Transgender Bodies, Subcultural Lives (New York: New York University Press, 2005), S. 18.
  95. Jasbir K. Puar, »Bodies with New Organs: Becoming Trans, Becoming Disabled«, Social Text, 33.3 (2015), S. 45–73, hier S. 55.
  96. Ebd., S. 56, Herv. sh.
  97. Ebd.
  98. Jamison Green, Becoming a Visible Man (Nashville/TN: Vanderbilt University Press, 2004), S. 180.
  99. Ebd.
  100. Aus dem Austausch mit Schwarzen und of Color Teilnehmern seiner FtM-Selbsthilfegruppe resümiert er: »I think when transmen fail to see how they benefit from male privilege simply by being seen as men, they are living with a kind of blindness that may […] be caused by racial sensitivities, which in the United States can be more demanding as a survival issue on a day-to-day basis than gender concerns« (ebd., S. 72). Statt männliche Privilegien als rassifizierte Struktur adressieren zu können, schließen sich rassistische und sexistische Hierarchisierungsprozesse in dieser Feststellung gegenseitig aus.
  101. Blake Brockington, zitiert nach Snorton, Black on Both Sides, S. x, Herv. sh.
  102. Ebd. »House Bill 2« schreibt als administrative Verordnung u. a. die Benutzung von Toiletten- und Umkleideräumen an öffentlichen Einrichtungen in North Carolina vor, wonach Personen die Räumlichkeiten nur entsprechend ihrem in der Geburtsurkunde eingetragenen Geschlecht betreten und nutzen dürfen. Die umgangssprachliche Bezeichnung Bathroom Bill verharmlost dabei den diskriminierenden Charakter dieser Verordnung, die offiziell als »Privacy and Security Act« firmiert und damit die Herstellung von Geschlecht in dem Moment vollzieht, wie sie es gleichzeitig als vermeintlich rein private Angelegenheit aus dem öffentlichen Diskurs ausschließt. Zudem suggeriert der Aspekt der Sicherheit ein Szenario, das all diejenigen diskriminiert und als Bedrohung inszeniert, die diesen biologistischen Voraussetzungen nicht entsprechen wollen oder können. Auf Druck eines Sportverbandes und der drohenden Absage eines Großevents in North Carolina wurden im März 2017 Teile dieser Verordnung wieder aufgehoben.
  103. Elizabeth Freeman, Time Binds: Queer Temporalities, Queer Histories (Durham: Duke University Press, 2010), S. 12. Freemans Bestreben, über diese Mikrotemporalitäten und ihre Unterbrechungen historische Zusammenhänge neu herzustellen, um die Verbindung zu Gegenwart und möglichen Zukünften damit widerständig aufladen zu können, scheint im Kontext der sehr körperlichen Zeitlichkeit einer Transition, die ebenfalls neue Verbindungen zur eigenen Vergangenheit erfordert oder ermöglicht, interessant. Allerdings wäre ihr Konzept der Chrononormativität (chrononormativity) insofern zu überdenken, als dass es zwar die normativen Narrative einer reproduktiven Zukünftigkeit aufgreift, während die individuellen Transitionen mit Testosteron in den Vlogs aber gerade als different, vielfältig und gerade nicht chrononormativ entstehen.
  104. Vgl. Wish I Was Jim, TEN YEARS ON TESTOSTERONE, 3. Januar 2019 <https://www.youtube.com/watch?v=5ARSF7ZKAs8> [Zugriff: 30. Mai 2025]. »After 6 years away from Youtube, I’M BACK!«, schreibt Wish I Was Jim in der Beschreibung zu diesem Video, ebd.
  105. Vgl. Fußnote 21 auf S. 34.
  106. Kara Keeling, »›In the Interval‹: Frantz Fanon and the ›Problems‹ of Visual Representation«, Qui Parle, 13.2 (2003), S. 91–117, hier S. 97. Keeling zitiert hier aus Frantz Fanon: Black Skin, White Masks.
  107. Ebd., S. 100.
  108. itsGOTtobegroovy, Week 40 on T: Racism as a Black FTM), 0:04:57–0:04:59.
  109. Ebd.
  110. Diese (und weitere) Schilderungen nehmen, wie schon angemerkt, mit über vier Minuten, und im Vergleich zum deutlich kürzeren Bericht über die körperlichen Veränderungen nur zu Beginn des Videos, einen Großteil der Laufzeit ein, vgl. ebd.
  111. Ebd.
  112. Ebd., Herv. sh.
  113. Ebd.
  114. Frantz Fanon, Black Skin, White Masks (London: Pluto Press, 2008), S. 107.
  115. Vgl. ebd. Die Explosion ist bei Fanon eine doppelte: Zum einen meint sie den konkreten eruptiven Ausbruch einer Wut, die aber die Trope der allein affektiv handlungsfähigen Blackness manifestiert, zum anderen steht sie für den Effekt einer Dekolonisierung, die unmöglich ist.
  116. itsGOTtobegroovy, Living with racism in Black FTM transition [CC].
  117. Ebd.
  118. Judith Butler, »Endangered/Endangering: Schematic Racism and White Paranoia«, in Reading Rodney King: Reading Urban Uprising, hg. v. Robert Gooding-Williams (New York: Routledge, 1993), S. 15–22, hier S. 15.
  119. Ebd., i. O.: »the black male body, prior to any video, is the site and source of danger, a threat«.
  120. Keeling, »In the Interval«, S. 101, Herv. sh.
  121. Ebd., S. 108, i. O.: »a time swimming with possibilities and, less perceptible but no-less-immediate, impossibilities«.
  122. Vgl. ebd., S. 110.
  123. Ebd., S. 102–03, i. O.: »the socio-economic relations and the spatio-temporal configurations made visible by images«.
  124. Keeling selbst entwickelt bereits eine solche queere Perspektive auf rassifizierte Zeitlichkeiten für die Analyse des Films The Aggressives, vgl. Keeling, »Looking for M—«. Ich greife Keelings Analysen für die Untersuchung der spezifischen Zeitlichkeiten von trans* Vlogs auf YouTube auf.
  125. Judith Butler, Haß spricht: Zur Politik des Performativen, übers. v. Kathrina Menke und Markus Krist (Berlin: Suhrkamp, 2006), S. 10.
  126. Vgl. ebd., S. 70.
  127. Saidiya V. Hartman, Scenes of Subjection: Terror, Slavery, and Self-Making in Nineteenth-Century America (Oxford: Oxford University Press, 1997), S. 3.
  128. Paul B. Preciado, »Mein Körper existiert nicht«, in Der documenta 14 Reader, hg. von Quinn Latimer und Adam Szymcyk (München: Prestel, 2017), S. 117–34, hier S. 125.
  129. Zu einer Kritik des rassistischen Polizierens und der Dokumentation von Racial Profiling durch antirassistische Initiativen als widerständige Methode vgl. Vanessa E. Thompson, »›There is no justice, there is just us!‹: Ansätze zu einer postkolonial-feministischen Kritik der Polizei am Beispiel von Racial Profiling«, in Kritik der Polizei, hg. v. Daniel Loick (Frankfurt a. M.: Campus, 2018), S. 197–219.
  130. itsGOTtobegroovy, Week 40 on T: Racism as a Black FTM.
  131. johnny cage schreibt: »Yeah that’s what ive been going thru my whole life. I even got followed in white neighborhoods twice well visiting friends but it becomes the norm«; LordNick26: »I understand what your feelings are. trust. I gone through that too. I do believe skin color and also Class plays a big role in what you’ve experienced, not just with you but in life period. Not down playing what you went through or going through but this is nothing new. Just look at history. it keeps on repeating. Ugh! Keep walking tall bro!«; blckpanthurr1: »Man I hate it. I hear what you mean. I’m a senior in college, working on a thesis, with a job in a biotech company, but regardless of all that I still get profiled by the police in my predominately white town. I’ve gotten pulled over walking home from the train, and a bunch of other times. It seems like it’s part of the system to egg you on to MAKE the black/brown male angry and fulfill the stereotype« (ebd.).
  132. Vgl. Fanon, Black Skin, White Masks, S. 2.
  133. Keeling, »In the Interval«, S. 106, Herv. sh.
  134. Vgl. Ann Cvetkovich, An Archive of Feelings: Trauma, Sexuality, and Lesbian Public Cultures (Durham: Duke University Press, 2003).
  135. Jack Halberstam, The Queer Art of Failure (Durham: Duke University Press, 2011), S. 11.
  136. Vgl. Hartman, Scenes of Subjection, S. 11.
  137. Ebd., S. 13.
  138. Von den Anfängen seines Kanals bis zum aktuellsten Video sind es immer wieder rassistische Übergriffe und Diskurse, die die Themen seiner Update-Videos zur Transition bestimmen: Week 24 on T: Invisibility/Hypervisibility, Week 40 on T: Racism as a Black FTM, Living with racism in Black FTM transition [CC], vgl. itsGOTtobegroovy, Videos <https://www.youtube.com/user/itsGOTtobegroovy/videos> [Zugriff: 30. Mai 2025].

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  83. Trowers, Andy, »How We Accidentally Made a Racist Videogame«, Kotaku, 12. Januar 2017 <http://www.kotaku.co.uk/2017/01/12/how-we-accidentally-made-a-racist-videogame> [Zugriff: 28. Februar 2019]
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Film- und Videoverzeichnis

  1. The Aggressives, Regie: Daniel Peddle (US, 2005)
  2. gorillashrimp, T-Day! March 21, 2014, 13. August 2014 <https://www.youtube.com/watch?v=2xvlSUtFuh4> [Zugriff: 30. Mai 2025]
  3. itsGOTtobegroovy, Living with racism in Black FTM transition [CC], 13. März 2015 <https://www.youtube.com/watch?v=2hUwkC4Yuy4> [Zugriff: 30. Mai 2025]
  4. Videos <https://www.youtube.com/user/itsGOTtobegroovy/videos> [Zugriff: 30. Mai 2025]
  5. Week 40 on T: Racism as a Black FTM, 30. Oktober 2010 <https://www.youtube.com/watch?v=XUJIsKYyaKY&> [Zugriff: 30. Mai 2025]
  6. Week 40 on T: Racism as a Black FTM: Quellcode, 30. Oktober 2010 <view-source:https://www.youtube.com/watch?v=XUJIsKYyaKY&> [Zugriff: 21. Juli 2020]
  7. Kedar Nimbalkar, How To Make Infrared Night Vision Camera from Any Smartphone!, 21. Dezember 2017 <https://www.youtube.com/watch?v=S_otDBRFmGI&t=341s> [Zugriff: 30. Mai 2025]
  8. Wish I Was Jim, TEN YEARS ON TESTOSTERONE, 3. Januar 2019 <https://www.youtube.com/watch?v=5ARSF7ZKAs8> [Zugriff: 30. Mai 2025]